Über die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden

Das Wichtigste vorab: jede Frau ist anders. Die Wahrscheinlichkeiten, die du in diesem Artikel findest, sind Durchschnittswerte. Du kannst dich anhand dieser durchschnittlichen Angaben gut orientieren – wie groß deine persönlichen Chancen auf eine Schwangerschaft sind, hängt aber natürlich stark von deiner Erbanlage, von (möglicherweise noch nicht diagnostizierten) Erkrankungen oder Hormonstörungen und natürlich vom Samen deines Partners oder Samenspenders ab.

Schwangerschaftschancen während des Zyklus

Wenn du nicht verhütest, wird in der Mitte deines Zyklus eine Eizelle reif. Die fruchtbaren Tage beginnen knapp fünf Tage für dem Eisprung. Fünf Tage deswegen, weil Samenzellen nach dem Geschlechtsverkehr maximal fünf Tage im weiblichen Körper überleben können. Wenn du nicht hormonell verhütest und Sex hast, beträgt die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft pro Zyklus 23% – vorausgesetzt, du bist jünger als 31.

Am fruchtbarsten bist du unmittelbar vor dem Eisprung und während des Eisprungs. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft, wenn du am Tag des Eisprungs Sex hast, beträgt 33 Prozent. Nach dem Eisprung ist die Eizelle nur noch 12-24 Stunden befruchtungsfähig. 

Fruchtbare Tage Eisprung

Ab wann die Fruchtbarkeit sinkt

Die wichtigste Komponente beim Errechnen deiner Schwangerschaftschancen ist das Alter. Je älter du bist, umso älter sind auch deine Eizellen, die du seit der Geburt in deinen Eierstöcken trägst. Eizellen bilden sich nicht laufend neu, sondern sind in bestimmten Vorstadien in deinen Eierstöcken angelegt, seit du ein Baby bist. Je älter du bist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbmaterial in deinen Eizellen nicht vollständig ist oder dass die Eizelle nach der Befruchtung zu wenig Energie erzeugen kann, um sich zu einem Embryo zu entwickeln.

Studien zeigen, dass die weibliche Fruchtbarkeit zwischen 20 und 31 kaum abnimmt. Pro Zyklus liegt die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bei 23 Prozent, das durchschnittliche Risiko für eine Fehlgeburt bei diagnostizierter Schwangerschaft liegt bei 10 Prozent.

Mit 31 Jahren kommt es zu einem Abfall der Fruchtbarkeit. Sie liegt mit 32 Jahren bei 20 Porzent pro Zyklus, mit 35 Jahren bei knapp 14 Prozent pro Zyklus, mit 40 Jahren bei 7 Prozent und mit 43 Jahren bei 5 Prozent pro Zyklus.

Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft auch zur Geburt eines gesunden bzw. nicht behinderten Kindes führt; denn das Risiko für Fehlgeburten und Chromosomenstörungen steigt mit jedem Jahr. 

Die allerbeste Zeit, Kinder zu bekommen, ist das Alter von 25 bis 30, wenn man nicht nur die Schwangerschaftsrate, sondern auch die Rate an gut verlaufenden Geburten und die Gesundheit der geborenen Kinder heranzieht. 

Wahrscheinlichkeit_Schwangerschaft_Fehlgeburt

Abb.: Durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für Schwangerschaft u. Fehlgeburt für eine 32-jährige Frau

Eizellvorrat & Fruchtbarkeit

Während dein Alter maßgeblich bestimmt, wie große deine Schwangerschaftschancen pro Zyklus sind, bestimmt dein Eizellvorrat in den Eierstöcken – die sogenannte Eizellreserve – bis zu welchem Alter du theoretisch schwanger werden kannst. Die Eizellreserve ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Während manche Frauen jenseits der 40 noch mehrere Kinder bekommen, können andere Frauen bereits mit Mitte 30 nicht mehr schwanger werden. Wenn du also beispielsweise 37 Jahre alt bist und wissen möchtest, wie schwierig es sein wird, ein Baby zu bekommen, bringt es nicht viel, dich mit anderen Frauen auszutauschen. Dass deine Arbeitskollegin mit 35 nicht mehr schwanger wurde, heißt nicht, dass diese Altersschwelle auch auf dich zutrifft. Und bloß, weil deine Nachbarin gleich beim 2. Versuch mit 42 schwanger geworden ist, heißt nicht, dass es bei dir auch so einfach funktionieren wird.

Schwangerschaftschancen pro Jahr

Falls du seit der Schule nichts mehr mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen zu tun hattest, ein kurzer Reminder: Wahrscheinlichkeiten, die über einen gewissen Zeitraum immer wieder auftreten, so wie deinem Monatszyklus, werden nicht addiert. Es ist also nicht so, dass du im ersten Zyklus 23 Prozent Chance auf eine Schwangerschaft hast, bis zum zweiten Zyklus 46 und bis zu dritten Zyklus 69. Wäre das der Fall, würden alle Frauen schwanger werden, die es möchten. Beim Errechnen der Schwangerschaftschancen über einen Zeitraum handelt es sich quasi um ein mehrstufiges Zufallsexperiment. Aber keine Angst, du musst jetzt nicht rechnen; du findest Grafiken mit altersabhängigen Wahrscheinlichkeiten weiter unten. 

Erkrankungen, die die Schwangerschaftschancen beeinträchtigen

Dass die Schwangerschaftschancen mit zunehmendem Alter sinken, hat zum Teil auch damit zu tun, dass die Gesundheit von Frauen mit dem Alter abnimmt. Frauen über 35 haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, autoimmunologische Erkrankungen und Krebserkrankungen als jüngere Frauen. Auch aus diesem Grund gilt eine Schwangerschaft mit höherem Alter öfter als Risikoschwangerschaft.

Vorliegende Erkrankungen, die vielleicht erst seit kurzem vorliegen – z.B. eine Eierstockentzündung oder Adipositas –, machen es zum einen schwieriger, schwanger zu werden und erhöhen zum anderen die Wahrscheinlichkeit, dass in der Schwangerschaft Komplikationen auftreten. Frauen, die zur Empfängnis für ihr erstes Kind nur wenige Zyklen benötigt haben, können es einige Jahre später ungleich schwerer haben, schwanger zu werden.

Manchmal führt die Entwicklung einer Autoimmunkrankheit dazu, dass das Eintreten bzw. das Erhalten einer Schwangerschaft ohne Medikamente gar  nicht mehr möglich ist. Immer wieder entstehen Erkrankungen und hormonelle Dysbalancen auch aufgrund einer früheren Schwangerschaft. Die Schwangerschaftschancen müssen deshalb nicht unbedingt höher sein, weil du bereits Kinder hast.

Risiko für ein behindertes Kind

Natürlich wünschen sich alle Eltern ein gesundes bzw. nicht behindertes Kind. Die gute Nachricht vorweg: dass ein Baby mit einer Krankheit, Behinderung und/oder Fehlbildung zur Welt kommt, ist grundsätzlich selten. Etwa 3% aller Babys haben gewisse Anomalien in ganz unterschiedlichen Ausprägungen – z.B. einen 6. Zeh oder einen zusätzlichen Leberlappen. Viele Fehlbildungen betreffen die inneren Organe und werden erst Jahre später zufällig entdeckt. Ob sie dem Kind Probleme bereiten – z.B. im Fall von Herzfehlern – liegt an der Art und Ausprägung. Viele Fehlbildungen lassen sich behandeln oder „verwachsen“ mit der Zeit von selbst.

Das Risiko für ein behindertes Kind ist hauptsächlich mit dem fortschreitenden Alter der Mutter, aber auch mit zunehmendem Alter des Vaters assoziiert. Viele Ärzte sind gerade bei Schwangeren über 35 sehr vorsichtig und drängen zu pränataldiagnostischen Untersuchungen. In manchen Artzpraxen ist es Routine, dass Schwangere in der 11. bis 13. Schwangerschaftswoche eine Messung der Nackentransparenz (auch oft fälschlicherweise Nackenfaltenmessung bezeichnet), den Combined Test oder einen NIPT/HARMONY-Test durchführen. Wichtig: Informiere dich vorab ausführlich über die möglichen Untersuchungen und setze dich gemeinsam mit deinem Partner oder deiner Partnerin über die möglichen Ergebnissen auseinander. Bitte deine*n GynäkologIn, die Untersuchungen und mögliche Konsequenzen genau mit euch zu besprechen oder mach bei uns einen Termin für Kinderwunsch-Coaching aus. Was würde das Ergebnis, dass du ein behindertes Kind erwartet, für dich bedeuten?

Viele Frauen, die sich nach 35 oder nach 40 noch ein Baby wünschen, haben Angst, dass ihr Kind eine Chromosomenstörung haben könnte. Die häufigste Chromosomenstörung ist die Trisomie 21, auch als „Down-Syndrom“ bekannt. Das Risiko für Trisomien steigt aber nicht erst ab 35 oder 40. Es steigt kontinuierlich mit dem Alter der Frau an. Für eine 35-jährige Frau in der Schwangerschaftswoche 12 beträgt die Wahrscheinlichkeit, mit einem Baby mit einer Trisomie 21 schwanger zu sein, 1:249 oder 0,4%. Zum Zeitpunkt der Geburt beträgt das Risiko nur noch 1:356 oder 2,8%. Der Unterschied erklärt sich daher, dass viele Babys mit Trisomie 21 im Mutterleib versterben und die Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet.

Bevor du dich zu einem Ersttrimester-Screening entscheidest, kann es hilfreich sein, dich mit den altersabhängigen Wahrscheinlichkeiten für eine Trisomie 21 auseinanderzusetzen. Grundsätzlich sind auch Trisomien bei älteren Schwangeren selten. Wie „selten genug“ jedoch als beruhigend empfunden wird, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Tabelle 1 zeigt dir, wie hoch das Risiko für eine Trisomie abhängig von deinem Alter und deiner Schwangerschaftswoche ist; Tabelle 2 zeigt dir, wie groß das Risiko für eine Fehlgeburt bei einem Kind mit Down-Syndrom abhängig von der Schwangerschaftswoche ist.

Tab. 1.: Risiko für ein Baby mit Trisomie 21

SSW 12SSW 40 (Geburt)
Mütterliches Alter
201/10681/1527
251/9461/1352
301/6261/895
311/5431/776
321/4611/659
331/3831/547
341/3121/446
351/2491/356
361/1961/280
371/1521/218
381/1171/167
39 1/891/128
40 1/68 1/97
41 1/51 1/73
42 1/38 1/55
43 1/29 1/41
44 1/21 1/30
45 1/16 1/23

Tab. 2: Risiko für eine Fehlgeburt bei Feten mit Trisomie 21 abhängig von der Schwangerschaftswoche (SSW)

SSW                                 Fehlgeburtsrisiko

10                                        36%

12                                        30%

14                                        25%

16                                        21%


Quellen:

van Noord-Zaadstra BM et al: Delaying childbearing: effect of age on fecundity and outcome of pregnancy. BMJ. 1991 Jun 8;302(6789):1361-5.

Schwartz D,
Mayaux MJ: Female fecundity as a function of age: results of artificial insemination in 2193 nulliparous women with azoospermic husbands. Federation CECOS. N Engl J Med. 1982 Feb 18;306(7):404-6.

Spira A: The decline of fecundity with age. Maturitas. 1988;Suppl 1:15-22.

Snijders RJM et al: Maternal age- and gestation-specific risk for trisomy 21. Ultrasound Obstet Gynecol 1999;13:167–170        

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