Schwanger werden mit 40+

Im Schnitt endet die fruchtbare Zeit mit 41. Ob du über 40 noch ein Kind bekommen kannst, hängt in erster Linie von deinem Eizellvorrat, deiner hormonellen Situation und möglichen Erkrankungen ab. Und natürlich von der Samenqualität deines Partners oder Samenspenders. Um deine Schwangerschaftschancen abschätzen zu können, haben wir einige Zahlen für dich zusammengetragen.

Wie sich die Fruchtbarkeit in den Wechseljahren entwickelt

Als Wechseljahre bezeichnet man die 8-9-jährige Phase vor der allerletzten Regelblutung und die 1-2 Jahre danach. Während dieser Phase nehmen die Anzahl der Eizellen in den Eierstöcken (Eizellreserve) und deren Befruchtungsfähigkeit stark ab. Die Schwangerschaftschancen sinken, während das Risiko für eine Fehlgeburt oder eine nicht erfolgreiche künstliche Befruchtung (in-vitro-Fertilisation, IVF) steigt.

Phasen der Wechseljahre

Prämenopause
Die Wechseljahre beginnen mit der Prämenopause im Alter von ca. Ende 30 bis Anfang 40, wobei dies von Frau zu Frau variiert. Zu Beginn der Wechseljahre kommt es immer unregelmäßiger zu einem Eisprung, und die Chance für eine Schwangerschaft sinkt auf unter 8% pro Zyklus.

Da die Eierstöcke bzw. die Eizellen Sexualhormone produzieren, sinkt mit dem Schrumpfen des Eizellvorrats auch das Östrogen im Blut. Das hat wiederum Einfluss auf verschiedene Funktionen im Körper und ist verantwortlich für die typischen Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen, Hauttrockenheit und Trockenheit der Schleimhäute, Schlafstörungen sowie depressive Verstimmungen. Als Reaktion auf den verminderten Östrogenspiegel schüttet der Körper mehr follikelstimulierendes Hormon (FSH) aus, um die Funktion der Eierstöcke möglichst lange aufrecht zu erhalten. Je niedriger das Östrogen und je höher das FSH, umso eingeschränkter ist die Fortpflanzungsfähigkeit. 

Je länger die Wechseljahre dauern, umso unregelmäßiger wird auch der Zyklus. Die meisten Frauen beobachten mit Mitte 40 längere Phasen, in denen die Regelblutung ausbleibt. Der Zyklus wird unberechenbar, und eine Schwangerschaft ist jetzt nur noch theoretisch möglich.

Perimenopause
Als Perimenopause bezeichnet man jene zwei Jahre unmittelbar vor und nach der letzten Regelblutung. Sie ist das, was man als eigentlicher “Wechsel” versteht. Die Menopause ist definiert als jener Zeitpunkt, zu dem seit genau einem Jahr keine Regelblutung mehr stattgefunden hat. Zum Zeitpunkt der Menopause sind von den ursprünglich Millionen von Eizellen in den Eierstöcken nur noch etwa 1.000 vorhanden. In den Jahren vor und nach der letzten Blutung stellt sich der weibliche Körper auf die neue hormonelle Situation ein und baut ein neues Gleichgewicht auf. Eine Schwangerschaft mit eigenen Eizellen ist nun definitiv nicht mehr möglich. Nimm gerne mit mir Kontakt auf, wenn für dich eine Eizellspende als Alternative in Frage kommt.

Postmenopause
An die Perimenopause schließt die Postmenopause an. Die Symptome der Wechseljahre können sich in dieser Phase verstärken; hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und Brustkrebs.

Zu frühe Wechseljahre 

Etwa 2-3% aller Frauen sind von frühzeitigen Wechseljahren betroffen – die Eierstöcke stellen bereits vor 40 die Funktion ein, die Eizellreserve ist aufgebraucht. In seltenen Fällen verlieren Frauen schon mit Ende 20 ihre Fruchtbarkeit. Dies ist größtenteils erblich bedingt; wenn deine Mutter sehr früh in den Wechsel kam, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das auch auf dich zutreffen wird. Auch Frauen, die im Rahmen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie erhalten, können von frühzeitigem Wechsel betroffen sein.

Wichtigster Marker zur Bestimmung des Eizellvorrats und zur Prognose des Wechsels ist das anti-Müller-Hormon (AMH). Mithilfe des AMH lässt sich ableiten, wie lange in etwa Frauen noch fruchtbar sind bzw. wann die Menopause zu erwarten ist. Nach Abschluss einer Chemotherapie ist die Höhe des AMH auch ein guter prognostischer Marker, ob sich die Eierstöcke wieder erholen werden.

Wichtig: Das AMH muss immer in Kombination mit dem Alter interpretiert werden; so bedeutet ein AMH-Wert von 1,2ng/ml für eine 30jährige Frau etwas anderes als für eine 40jährige. 

Frauen, die schon früh über eine eingeschränkte Eizellreserve Bescheid wissen, können auch in Österreich, wo “Social Freezing” verboten ist, legal ihre Eizellen zum vorsorglichen Fruchtbarkeitserhalt einfrieren lassen.

Im Rahmen des Fertinesse Kinderwunsch-Coachings können wir gemeinsam  deine Hormonwerte durchgehen und weitere Möglichkeiten besprechen.

>> Kinderwunsch-Coaching Kontakt & Terminbuchung


Quellen:

Dewailly D et al. The physiology and clinical utility of anti-Mullerian hormone in women [published correction appears in Hum Reprod Update. 2014 Sep-Oct;20(5):804]. Hum Reprod Update. 2014;20(3):370‐385.

te Velde ER, Pearson PL: The variability of female reproductive ageing. Hum Reprod Update. 2002;8(2):141‐154.


Spira A:The decline of fecundity with age. Maturitas. 1988;Suppl 1:15‐22.

Bentzen JG, Forman JL, Larsen EC, et al. Maternal menopause as a predictor of anti-Mullerian hormone level and antral follicle count in daughters during reproductive age. Hum Reprod. 2013;28(1):247‐255.