Was ist das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS)?

Das PCO-Syndrom ist eine häufige Hormonstörung­­, von der etwa 8-13% aller Frauen betroffen sind. Das ist quasi jede 10. Frau. PCOS kommt bei Mädchen und jungen Frauen öfter vor als bei Frauen über 35. Häufigstes Symptom sind unregelmäßige Zyklen, die bei hormoneller Verhütung (Pille, Hormonspirale, etc.) verschwinden und nach Absetzen der hormonellen Verhütung meist wiederkehren. Die Schwangerschaftschancen sind daher bei PCOS reduziert.

Das PCO Syndrom ist durch ein Ungleichgewicht im weiblichen Hormonsystem gekennzeichnet. Der Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) ist erhöht. Das kann zu Symptomen wie Akne, verstärkter Körperbehaarung und Haarverlust am Kopf (Hirsutismus) und den bereits erwähnten Zyklusstörungen führen.

Die hormonelle Dysbalance bei PCOS steht in Zusammenhang mit Übergewicht. Etwa 50-60% aller Frauen mit PCOS sind übergewichtig. Da sich Übergewicht zusätzlich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirkt, ist eine der wichtigsten Maßnahmen bei PCOS eine Gewichtsabnahme.

Kennzeichnend für das PCO Syndrom ist weiters die sogenannte Insulinresistenz. Dabei kann der Körper Insulin nicht gut verstoffwechseln, woraufhin der Blutzucker-Spiegel mit fortschreitendem Alter häufig ansteigt. Frauen mit PCOS haben daher ein größeres Risiko für Diabetes. Auch Depressionen sind bei Frauen mit PCO Syndrom häufig.

PCOS Symptome

Abb.: Häufigste Symptome bei PCOS


Viele Frauen mit PCOS haben jedoch gar keine Symptome, weshalb das PCO-Syndrom oft erst dann diagnostiziert wird, wenn trotz Kinderwunsch keine Schwangerschaft eintritt. Denn PCOS ist dadurch gekennzeichnet, dass die Reifung der Eizellen in den Eierstöcken gestört ist. Das führt bei vielen Frauen dazu, dass kein regelmäßiger Eisprung stattfindet und eine ersehnte Schwangerschaft ausbleibt.

Wenn seltener Eizellen reif werden, findet auch seltener die Menstruation statt. Ein Großteil aller Frauen mit polyzystischen Eierstöcken hat weniger als neun Monatsblutungen pro Jahr. Manche Frauen mit PCO Syndrom erleben Strecken über mehrere Monate oder gar ein bis zwei Jahre ohne Monatsblutung. Man spricht dann von „Amenorrhoe“.

WAS GENAU PASSIERT BEI PCOS IM EIERSTOCK?

In jedem Zyklus reifen in deinen Eierstöcken mehrere Eizellen heran. Ohne hormonelle Verhütung erreicht bei gesunden Frauen eine Eizelle die letzte Reifungsstufe und wird im Rahmen des Eisprungs vom Eierstock freigegeben. Bei Frauen mit PCOS reifen mehr Eizellen als gewöhnlich heran, insbesondere jene in den Stadien der frühen antralen Follikel – jene Follikel, die am meisten anti-Müller-Hormon (AMH) produzieren. Das ist der Grund, warum viele Frauen mit PCOS einen zwei- bis viermal höheren AMH-Wert haben.

Die Follikel in den Eierstöcken bleiben bei PCOS jedoch meist in den Stadien der antralen Follikel stehen und wachsen nicht weiter. Sie entwickeln sich zu Zysten statt zu einer reifen Eizelle (daher auch der Name „Polyzystisches Ovarsyndrom“). Es findet entweder kein Eisprung statt, oder es passiert nur selten, dass du einen Zyklus hast, in dem eine Eizelle reif wird.

Polyzystische Eierstöcke PCOS

Liegt ein Verdacht auf PCOS vor, wird dein/e GynäkologIn einen Ultraschall der Eierstöcke durchführen. Polyzystische Eierstöcke – im Fachjargon Ovarien – erkennt man am Ultraschall durch viele große, unreife Eibläschen, die schwarz dargestellt sind.

PCOS Zysten Ultraschall FollikelAbb.: Ultraschalluntersuchung zeigt polyzystische Eierstöcke

WIE WIRD PCOS DIAGNOSTIZIERT? KÖNNTEST DU VIELLEICHT PCOS HABEN?

Um eine erste Einschätzung machen zu können, ob bei dir das PCO-Syndrom vorliegt, solltest du deine Zyklen aufzeichnen und deine Hormone untersuchen lassen. Dauert dein Zyklus länger als 35 Tage und/oder hast du weniger als 9 Mal im Jahr deine Periode (Oligomenorrhoe), ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass du PCOS hast.

Der wichtigste hormonelle Marker für das PCO-Syndrom ist das anti-Müller-Hormon (AMH). Liegt dein AMH-Wert über einer bestimmte Schwelle (von Test zu Test unterschiedlich) oder über der 80. Altersperzentile (das heißt, dass 80% in deinem Alter einen niedrigeren AMH-Wert haben als du), ist die Wahrscheinlichkeit für PCOS sehr groß. Hast du deinen AMH-Wert bereits vorliegen, kannst du gerne bei Fertinesse ein Coaching buchen.

SCHWANGER WERDEN MIT PCOS

Etwa 75% aller Frauen mit PCOS haben eine stark eingeschränkte Fruchtbarkeit. Dennoch schaffen es etwa die Hälfte aller Frauen mit PCOS, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.

Folgende Dinge lohnen sich zu versuchen:

  • Hast du Übergewicht? Dann haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Erst die schlechte: wenn du schwanger werden möchtest, solltest du abnehmen. Jetzt die gute: Bei vielen Frauen reicht eine Gewichtsabnahme von etwa 10%, damit wieder ein Eisprung stattfindet. Wenn du übergewichtig bist und 80kg wiegst, solltest du daher 8kg abnehmen. Eine ausgewogene Ernährung spielt auch im Hinblick auf die Insulinresistenz bei PCOS und das erhöhte Risiko für Diabetes eine wichtige Rolle.
  • Rauchst du? Wenn ja, verstärkt dies einerseits die hormonellen Dysbalance bei PCOS und erschwert es andererseits durch die verminderte Blutzufuhr der Reproduktionsorgane, schwanger zu werden. Auch dein Risiko für eine Fehlgeburt ist erhöht, wenn du rauchst. “Hör mit dem Rauchen auf!” ist leichter gesagt als getan; wenn du es schon einmal vergeblich versucht hast, hol dir Unterstützung.
  • Achte darauf, zumindest 3-4h die Woche Sport zu machen und reduziere die Zeiten, in denen du sitzt.
  • Eine wichtige Rolle bei der Behandlung vom PCO Syndrom spielen Nahrungsergänzungsmittel, die in den Zuckerstoffwechsel und die Zellreifung eingreifen und so einen Eisprung bewirken können. Studien haben u.a. für folgende Nahrungsergänzungsmittel positive Effekte gezeigt:
    – Synbiotika (Kombination aus Präbiotika und Probiotika)
    – Omega-3-Fettsäuren
    – Flavonoide
  • Auch Medikamente zur Auslösung des Eisprungs kommen beim PCO Syndrom zur Anwendung. Dazu zählen Clomiphen und Metformin. Oft werden Frauen mit PCO Syndrom schon kurz nach Beginn einer medikamentösen Behandlung schwanger. Die Kombination aus Gewichtsreduktion und medikamentöser Behandlung ist noch wirksamer als eine der beiden Maßnahmen alleine.

Wenn weder Gewichtsreduktion noch Medikamente zur ersehnten Schwangerschaft verhelfen, ist die Aussicht, im Rahmen einer in-vitro-Fertilisation (IVF) schwanger zu werden, sehr gut. Studien zeigen, dass Frauen mit PCOS und Übergewicht leichter durch künstliche Befruchtung schwanger werden als schlanke. Solltest du Unter- oder Idealgewicht haben, und bei dir wurde PCOS diagnostiziert, empfehlen wir dir, eine/n ExpertIn für Kinderwunschmedizin aufzusuchen, wenn du bereits länger als sechs Monate versuchst, schwanger zu werden.

Good news zum Schluss: Frauen mit PCOS kommen in der Regel etwas später in die Wechseljahre, haben also im Schnitt etwas länger Zeit als andere Frauen, um ihren Kinderwunsch zu realisieren.

WIE BEEINFLUSST DAS PCO SYNDROM EINE EINGETRETENE SCHWANGERSCHAFT?

Das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen ist bei Frauen mit PCOS erhöht, wobei dies auch mit der Ausprägung des Übergewichts zusammenhängen dürfte. Studien zeigen, dass Schwangere mit polyzystischem Ovarsyndrom ein 3- bis 4-faches Risiko für Schwangerschafts-assoziierten Bluthochdruck (Präeklampsie), ein 3-fach erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und ein doppeltes Risiko für eine Frühgeburt haben.

Es ist für deine/n betreuende/n GynäkologIn also wichtig zu wissen, ob du PCOS hast, weil so deine Betreuung während der Schwangerschaft optimal angepasst werden kann.

Vorab schon ein wichtiger Tipp: Vermeide eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, indem du dich ausgewogen ernährst und moderate, aber regelmäßige Bewegung machst. So kannst du selbst dazu beitragen, dass es dir und deinem Baby gut geht.


Quellen:

Eilertsen TB, Vanky E, Carlsen SM: Anti-Mullerian hormone in the diagnosis of polycystic ovary syndrome: can morphologic description be replaced? Hum Reprod. 2012 Aug;27(8):2494-502.

Dumont A et al: Role of Anti-Müllerian Hormone in pathophysiology, diagnosis and treatment of Polycystic Ovary Syndrome: a review. Reprod Biol Endocrinol. 2015; 13: 137.

International evidence-based guideline for the assessment and management of Polycystic Ovary Syndrome (PCOS) 2018. https://www.monash.edu/medicine/sphpm/mchri/pcos/guideline

Karimi E et al: The effect of synbiotics supplementation on anthropometric indicators and lipid profiles in women with polycystic ovary syndrome: a randomized controlled trial. Lipids Health Dis. 2020 Apr 6;19(1):60.

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