Östrogen

Unter allen Hormonen spielt das Östrogen für deine Fruchtbarkeit die Hauptrolle. So reguliert Östrogen deinen Zyklus und sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut in der ersten Zyklushälfte aufbaut und gut durchblutet wird. Östrogen sorgt auch dafür, dass sich dein Vaginalschleim verändert: er wird wässriger und zunehmend glasig, sodass sich Spermien besonders gut in Richtung Eileiter fortbewegen können. Unmittelbar vor dem Eisprung erreicht der Östrogen-Spiegel genauso wie das luteinisierende Hormon (LH) den höchsten Spiegel im Zyklus.


Abb.: Entwicklung des Östrogens während des Zyklus


Wenn du verhütest oder das Ei nach dem Eisprung nicht befruchtet wird, fallen deine Östrogen-Werte, und die Menstruation setzt ein. Hast du rund um den Eisprung Geschlechtsverkehr und die Eizelle wird befruchtet, sorgen Östrogen und Progesteron – ein anderes Hormon – dafür, dass keine weiterer Eisprung stattfindet und die Gebärmutterschleimhaut dicker wird, damit sich der Embryo einnisten und weiter wachsen kann.

Östrogen wird von den heranwachsenden Eizellen in deinen Eierstöcken gebildet und hat als Geschlechtshormon einen großen Einfluss auf deine Fruchtbarkeit. Da mit der Zeit die Anzahl aller Eizellen in den Eierstöcken – die Eizellreserve – abnimmt, nimmt mit dem Alter auch der Östrogenspiegel ab, wie die folgende Grafik veranschaulicht.

Entwicklung Östrogenwert Alter

Daneben hat Östrogen aber auch Einfluss auf viele andere wichtige Körperfunktionen. So fördert Östrogen u.a.

  • das Wachstum der weiblichen Geschlechtsorgane in der Pubertät (Brustdrüse, Gebärmutter, etc.),
  • das Knochenwachstum
  • die für Frauen typische Fettverteilung, u. a. bei den Hüften
  • das Wachstum der Scham- und Achselhaare zu Beginn der Pubertät 
  • den Blutfluss im Gehirn
  • das Wachstum von Nervenzellen
  • die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit und Nährstoffen
  • die Pumpleistung des Herzens
  • den Zucker- und Fettstoffwechsel

Welche Östrogene gibt es?

Folgende Östrogene können im Blut gemessen werden:

Östradiol (E2)

Östradiol ist das wirksamste und somit wichtigste Östrogen im weiblichen Körper. Es wird sowohl direkt in den Eierstöcken unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons (FSH) gebildet als auch indirekt aus Fettgewebe in der Nebenniere. Wenn GynäkologInnen von “Östrogen” sprechen, meinen sie zumeist das Östradiol.

Östron (E1)

Östron ist weniger wirksam als Östradiol. Es stammt aus den Eierstöcken sowie indirekt aus der Umwandlung bestimmter Nebennierenrindenhormone (Androstendion und DHEA) im Fettgewebe. Es gewinnt nach der Menopause an Bedeutung, wenn die alternden Eierstöcke weniger Östradiol bilden.

Östriol (E3)

Östriol ist ein Abbauprodukt der anderen Östrogene mit geringer biologischer Wirkung. Allerdings steigt seine Konzentration in der Schwangerschaft an.

Die Konzentration von Östrogen schwankt bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter im Verlauf des Monatszyklus. Am meisten Östradiol misst man zum Zeitpunkt des Eisprungs, den niedrigsten Spiegel während der Menstruation. In den späten Wechseljahren, wenn die Eierstöcke ihre Funktion beinahe eingestellt haben, ist das Östrogen bzw. Östradiol so weit abgesunken, dass es nicht mehr messbar ist. Wenn dein/e GynäkologIn einen Hormonstatus anfordert, ist Östradiol darin enthalten. Um die Werte vergleichbar zu machen, wird ein Hormonstatus zumeist am 2. oder 3. Zyklustag gemacht – also am 2. oder 3. Tag, nachdem deine Menstruationsblutung begonnen hat.

Was bedeutet ein erhöhter Östrogen-Spiegel für die Fruchtbarkeit?

Für eine Erhöhung der Östradiol-Werte im Blut kommen u. a. folgende Ursachen infrage:

Was bedeutet ein niedriger Östrogen-Spiegel für die Fruchtbarkeit?

Für erniedrigte Östradiol-Werte im Blut kommen u. a. folgende Ursachen infrage:

  • Erkrankungen der Eierstöcke
  • Störung der Regulationsmechanismen der Östrogenproduktion (sekundäre Ovarialinsuffizienz):
    • Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln, z.B. anti-Baby-Pille, Hormonspirale, etc.
    • Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse 
    • Erkrankungen oder auch Störungen des Hypothalamus (ein Teil des Zwischenhirns)

Welche Bedeutung hat Östrogen in der Kinderwunschmedizin?

Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (in-vitro-Fertilisation, kurz IVF) werden durch Hormoninjektionen unreife Eizellen zum Wachsen angeregt. Da Östrogen von den heranwachsenden Eizellen in den Eierstöcken gebildet wird, steigt der Östrogenspiegel also in dieser Zeit. Ist der Östrogenspiegel unmittelbar vor dem Embryotransfer zu hoch, sinken jedoch die Chancen auf eine Schwangerschaft. In diesem Fall werden Embryonen eingefroren, und man transferiert den Embryo im darauffolgenden Zyklus, wenn der Östrogenspiegel gesunken ist.

Welche Wechselwirkungen mit Medikamenten hat Östrogen?

Östrogene können die Aktivität des Neurotransmitters Serotonin erhöhen und die Wirkung von Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) verstärken.

Während einer Hormontherapie (Testosteron, DHEA, Pregnenolon) sollte Östradiol immer mitkontrolliert werden.