Das luteinisierende Hormon (LH)

Das luteinisierende Hormon (LH) spielt während des Menstruationszyklus unterschiedliche Rollen. In den ersten beiden Wochen deines Zyklus stimuliert das LH die Follikel (Eibläschen), damit sie Östrogen produzieren. In der Mitte deines Zyklus steigt das LH sprunghaft an und löst dadurch den Eisprung aus: das auf 2,5 cm herangewachsene Eibläschen springt auf und wird vom Eierstock freigegeben.

Zyklusphasen Eisprung FSH LH Oestrogen

Abb.: Der LH-Anstieg löst den Eisprung aus


Die Überreste des Eibläschens bilden den sogenannten Gelbkörper. In der dritten und vierten Woche deines Zyklus übernimmt das LH die Aufgabe, diesen den Gelbkörper zur Bildung von Progesteron anzuregen. Sollte die beim Eisprung freigesetzte Eizelle befruchtet werden, wird Progesteron zur Entwicklung des Embryos dringend benötigt. Das LH ist also ein Chamäleon unter den Sexualhormonen: innerhalb kürzester Zeit übernimmt es unterschiedlichste Aufgaben, ohne die die weibliche Fortpflanzung nicht möglich wäre.

Normbereich des LH

Genauso vielfältig wie die Aufgaben des luteinisierenden Hormons sind die Werte, die das LH während des Montatszyklus annimmt. In den ersten beiden Wochen des Zyklus ist es niedrig mit Normalwerten zwischen 1,9 und 12,5 U/l. Ein bis zwei Tage vor dem Eisprung steigt es sprunghaft an mit normalen Konzentrationen von 8,7 bis 76,3 U/l. In der zweiten Zyklushälfte liegt das LH bei 0,5 bis 16,9 U/l. Nach den Wechseljahren ist das LH erhöht und liegt im Normbereich von 15,9 bis 54,0 U/l.

Ovulationstests

Den sprunghaften Anstieg unmittelbar vor dem Eisprung machen sich Ovulationstests zunutze. Wenn du wissen möchtest, wann deine fruchtbaren Tage sind, kannst du in der zweiten Woche deines Zyklus an mehreren Tagen hintereinander Urinstreifentests benutzen. Sobald das LH ansteigt, sind zwei gleich starke Linien auf dem Streifen zu sehen, was in der Regel bedeutet, dass 24-48h später der Eisprung stattfinden wird. Ein bis zwei Tage vor dem Eisprung ist die fruchtbarste Phase deines Zyklus.

Wann ist der LH-Wert erniedrigt?

Wenn du hormonell verhütest oder eine Hormonersatztherapie erhältst, verringert sich der LH-Wert medikamentenbedingt. Gleiches gilt für die Einnahme von GnRH-Agonisten, die zum Beispiel bei der Behandlung von Endometriose, Myomen oder hormonabhängigen Tumoren zum Einsatz kommen.
Es gibt aber zugrundeliegende krankhafte Ursachen für einen zu niedrigen LH-Wert. Dazu zählen:

  • Magersucht (Anorexie)
  • Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel im Blut)  
  • Olfaktogenitales Syndrom (Kallmann-Syndrom) – genetisch bedingte Erkrankung, die durch einen generellen Mangel an Sexualhormonen gekennzeichnet ist

Wann ist der LH-Wert zu hoch?

Da das LH während des Zyklus schwankt, sollte ein hoher LH-Wert immer abhängig vom Zyklustag interpretiert werden. Medikamente, die das luteinisierende Hormon in die Höhe treiben, sind z. B. Hormone, die in der Kinderwunschmedizin angewendet werden, sowie Chemotherapeutika in der Behandlung von Krebserkrankungen. Krankhafte Ursachen für einen zu hohen LH-Spiegel sind u.a.: