Die grausame Wahrheit über weibliche Sexualhormone

Die weiblichen Sexualhormone verfolgen ein wesentliches Ziel: dass du so oft wie möglich schwanger wirst und zum Erhalt der Menschheit beiträgst. Hormone wie Östrogen, anti-Müller-Hormon (AMH), follikelstimulierendes Hormon (FSH), luteinisierendes Hormon (LH) und Progesteron sind ein eingespieltes Team: Sie sorgen dafür, dass Eizellen in deinen Eierstöcken heranreifen, der Eisprung stattfindet, du Lust auf Sex hast, Samenzellen schnelle reife Eizellen finden und eine befruchtete Eizelle die optimalen Bedingungen findet, um zu einem Baby heranzuwachsen. 11 bis 15 Mal im Jahr – abhängig von deiner Zykluslänge – hast du so theoretisch die Möglichkeit, schwanger zu werden.

Ist die Rolle der Hormone heute anders als früher?

Seit der Erfindung der anti-Baby-Pille, die den Eisprung verhindert, sind Frauen in Bezug auf ihre Lebensplanung den Sexualhormonen weniger “ausgeliefert”. Haben Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa noch durchschnittlich 4-5 Kinder zur Welt gebracht, sind es heute 1,4-1,6 Kinder. Frauen sind in der Lage, Schwangerschaften zu planen und haben das Recht, Schwangerschaften ohne Angabe von Gründen bis zur 14. Schwangerschaftswoche zu beenden.

Gleichzeitig ist die Kindersterblichkeit massiv gesunken, und im Gegensatz zu früher kannst du heute mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ein Kind, das du zur Welt bringst, das Erwachsenenalter erreichen wird. Noch im 19. Jahrhundert starb in den mitteleuropäischen Städten etwa ein Drittel aller Säuglinge im ersten Lebensjahr – zurückzuführen auf Mangelernährung, mangelnde Hygiene, das Grassieren von Seuchen und das Fehlen von Impfstoffen.

Das Zusammenspiel deiner Hormone hat sich im Gegensatz zu früher wenig verändert. Was sich massiv verändert hat, ist das Alter, in dem Frauen gebären. 1970 war eine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt 24 Jahre alt. Heute sind Erstgebärende durchschnittlich 31 Jahre alt, und rund 25% aller Kinder werden von Frauen geboren, die älter als 35 sind. Dass es mit 24 anders um deine Fruchtbarkeit und deine Hormonwerte bestellt ist als mit 35, ist keine große Überraschung.

Das ideale Alter, Kinder zu bekommen, liegt bei 25 bis 31. Ab 31 sinkt die Fruchtbarkeit, und die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten und Trisomien steigt. Mit dem fortgeschrittenen Alter, in dem Frauen eine Schwangerschaft planen, haben sich auch Einfluss und Aussagekraft der Hormone auf die Schwangerschaftschancen verändert. Deine Hormonwerte zu kennen und deinen Zyklus richtig zu deuten ist deshalb sehr wichtig, wenn du jetzt oder auch erst in ein paar Jahren schwanger werden möchtest. So zeigt dir das LH, wann dein Eisprung stattfindet; das AMH, wie lange du noch ausreichend Eizellen in deinen Eierstöcken hast; und das FSH, wie sehr sich dein Körper bereits mit dem Reifeprozess von Eizellen anstrengen muss.

Welche Rolle Hormone für deine Gesundheit spielen

Im Biologieunterricht lernt man, dass Hormone Botenstoffe sind. Und tatsächlich kannst du dir deine Sexualhormone als eine Armee an Boten vorstellen, die laufend Nachrichten zwischen verschiedenen Organen übermitteln. Diese Nachrichten sorgen dafür, dass Prozesse in Gang gesetzt werden, wie z. B. die Reifung von Eizellen oder der Beginn deiner Regelblutung. Hormone regulieren aber auch von der Fortpflanzung unabhängige Funktionen wie Müdigkeit, Schlaf, Appetit, Stress und Erholung.

Sexualhormone spielen etwa beim Haarwachstum, bei Entzündungen in deinem Körper, bei der Verteilung von Fettgewebe und bei deinen Cholesterinwerten eine wichtige Rolle. Anzeichen dafür, dass eine Hormonstörungen vorliegen könnten, sind neben unerfülltem Kinderwunsch etwa Haarverlust, Herzrasen und Gewichtszu- oder -abnahme.