Follikelstimulierendes Hormon (FSH)

Das Follikelstimulierende Hormon (FSH) spielt eine wichtige Rolle in deinem Monatszyklus, weil es deine Eizellen heranwachsen lässt. In deinen Eierstöcken befinden sich Tausende unreife Eibläschen, sogenannte Follikel, in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. All diese Follikel bilden deinen Eizellvorrat, auch Eizellreserve genannt. Diejenigen Follikel, die zur Weiterentwicklung geeignet sind , verfügung über FSH-Rezeptoren, reagieren auf das FSH und wachsen weiter.

Etwa 15 bis 20 Follikel – abhängig von der Größe deines Eizellvorrats  – wachsen in der ersten Zyklushälfte heran. Sie produzieren als Folge der FSH-Stimulation Östrogene, die wiederum die FSH-Bildung hemmen. So steht in der zweiten Zykluswoche weniger FSH zur Verfügung stellt, und immer weniger der ursprünglich 15-20 Follikel wachsen weiter. Der Follikel, der am besten auf die Stimulation durch das FSH reagiert, produziert mehr Östrogene als alle anderen. Dieser Follikel wird “dominanter Follikel” genannt. Er beherbergt jene Eizelle, die beim Eisprung vom Eierstock ausgestoßen wird. In manchen Fällen gibt es auch zwei dominante Follikel: werden sie nach dem Eisprung befruchtet, entstehen zweieiige Zwillinge.

Wichtig zu wissen ist, dass sich das FSH während deines Zyklus verändert: in den ersten 4-5 Tagen ist es stabil auf einem mäßig hohen Niveau, sinkt dann aufgrund der Östrogenbildung der Follikel ab, und steigt kurz vor dem Eisprung stark an. Wenn du herausfinden möchtest, ob dein FSH-Wert im Normbereich liegt, ist es wichtig, den Test am 2. oder 3. Zyklustag durchzuführen – danach ist der Wert nicht mehr aussagekräftig.

Zyklusphasen Eisprung FSH LH Oestrogen

Warum wird das FSH gemessen?

Das follikelstimulierende Hormon wird in der Hirnanhangdrüse im Gehirn gebildet. Das FSH wird gemessen, um Aufschluss über folgende Prozesse im weiblichen Körper zu erhalten:

  • Funktionsfähigkeit der Eierstöcke
  • Vorhandensein von Eierstock-Zysten
  • Regelmäßigkeit des Zyklus
  • Beginn der Wechseljahre
  • Eintreten der Menopause 

Hoher FSH-Wert

Ein hoher FSH-Wert kann unter anderem folgende Ursachen haben:

  • Eierstocktumore
  • Zustand nach Ovarektomie (Eierstockentfernung)
  • Beginnende Wechseljahre oder bereits eingetretene Menopause
  • Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)
  • Turner-Syndrom / Monosomie X (ein funktionsfähiges X-Chromosom statt zwei)

Niedriger FSH-Wert

Ein Mangel an FSH kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu zählen unter anderem eine Veränderung der Hypophyse oder der Erbinformation. Mithilfe von Blutuntersuchungen, einer Computertomographie oder einem Stimulationstest kann man herausfinden, wo die Ursache für den FSH-Mangel liegt. Wird zu wenig FSH gebildet, bleibt der Eisprung aus oder findet nur sehr unregelmäßig statt, was es schwierig macht, schwanger zu werden

Ein niedriger FSH-Wert kann unter anderem folgende Ursachen haben:

  • hormonelle Verhütung durch Pille, Hormonspirale o,ä.
  • Stress
  • Anorexie (Magersucht)
  • eine Unterfunktion der Hirnanhangdrüse
  • Tumoren der Hirnanhangdrüse

FSH in der Reproduktionsmedizin

Erinnerst du dich an den Anfang dieses Artikels? Daran, dass durch das Zusammenspiel von FSH und Östrogen in der zweiten Zykluswoche weniger Eizellen weiterwachsen? Genau hier setzt die Reproduktionsmedizin (Kinderwunschmedizin) an. Im Rahmen einer in-vitro-Fertilisation (IVF) werden Eizellen im Reagenzglas mit Samenzellen befruchtet. Damit man mehrere Eizellen zur Verfügung hat, wird der Frau FSH verabreicht. Von den ursprünglich 15-20 Eizellen wird nun nicht nur ein dominanter Follikel reif, sondern mehrere – im Idealfall fünf bis zehn. Diese können bei der IVF dem Eierstock entnommen und dann befruchtet werden.

Je nachdem, wie groß der Eizellvorrat bzw. die Eizellreserve der Frau ist, wird mehr oder weniger FSH verabreicht. Am besten Aufschluss über die Eizellreserve gibt das AMH, weshalb der AMH-Wert in den meisten Kinderwunschzentren vor Beginn der Behandlung gemessen wird. Hat eine Frau eine geringe Eizellreserve bzw. ist sie schon am Beginn der Wechseljahre, ist eine höhere FSH-Dosis notwendig.