Was ist eine Fehlgeburt?

Unter einer Fehlgeburt versteht man den ungewollten Verlust des heranwachsenden Babys, bevor es alleine überlebensfähig ist. Fehlgeburten sind häufiger als angenommen. Über ein Drittel aller Schwangerschaften gehen wieder ab – oft in einem sehr frühen Stadium und unbemerkt. Eine etwas verspätete, ungewöhnlich starke Regelblutung könnte ein Hinweis auf eine frühe Fehlgeburt sein.

Anzeichen für eine Fehlgeburt >>

Bis zur 12. Schwangerschaftswoche spricht man von einem Frühabort, danach von einem Spätabort. Bei über 90% aller Fehlgeburten handelt es sich um einen Frühabort. Sehr oft stoppt die Entwicklung des Embryos, noch bevor ein Herzschlag mittels Ultraschall festgestellt werden kann. Wird – etwa im Rahmen einer in-vitro-Fertilisation – im Blut das Schwangerschaftshormon nachgewiesen, ohne dass jemals ein Embryo in der Gebärmutter sichtbar wird, spricht man von einer “biochemischen Schwangerschaft”.

Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist, desto niedriger ist das Risiko für eine Fehlgeburt. Studien zeigen, dass sobald die Herzaktivität mittels Ultraschall festgestellt werden kann, das Risiko für eine Fehlgeburt auf unter 15% sinkt. Eine weitere wichtige Hürde ist die 13. Schwangerschaftswoche. Ab der 15. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko für eine Fehlgeburt altersabhängig nur mehr unter 3%.


Ursachen für eine Fehlgeburt und wie du vorbeugen kannst

Wenn du eine Fehlgeburt erlitten hast, stellst du dir natürlich viele Fragen. Eine davon ist die Frage nach dem Warum. Leider tappt die Medizin bei den Gründen, die zu einer Fehlgeburt führen, etwas im Dunkeln, was auch daran liegt, dass es gerade bei Frühaborten selten möglich ist, den verstorbenen Embryo zu untersuchen. 

Einige Studien zum Thema haben ermittelt, dass eine Fehlbildung der Erbanlagen des Babys, also Chromosomenanomalien, die häufigste Ursache für einen Abort ist. Andere Studien legen wiederum nahe, dass das weibliche Immunsystem, das den Embryo fälschlicherweise abstößt, für etwa die Hälfte aller Fehlgeburten verantwortlich ist. Diese Ergebnisse sollten abhängig vom Alter der Frau interpretiert werden; so spielen etwa genetische Anomalien bei Frauen unter 32 seltener beim Verlust der Schwangerschaft eine Rolle als bei älteren Frauen. 

Chromosomenanomalien

Die häufigsten Chromosomenanomalien sind die Trisomie 21 (Down-Syndrom) sowie Geschlechtschromosomenanomalien. Bei der Trisomie 21 ist das 21. Chromosom dreimal statt zweimal vorhanden. In vielen Fällen führt dies zu einer Fehlgeburt; die genauen Statistiken dazu findest du im Factsheet Schwangerschaftsschancen. Kinder, die mit Trisomie 21 geboren werden, sind jedoch in der Regel auch überlebensfähig. 

Down Syndrom Trisomie 21

Zu den am zweithäufigsten diagnostizierten chromosomalen Besonderheiten gehören Abweichungen der X- und Y- Chromosomen (der Geschlechtschromosomen), insbesondere das Turner-Syndrom und das Klinefelter-Syndrom. Einerseits enden zwar die meisten der Schwangerschaften bei einer Geschlechtschromosomenanomalie in einer Fehlgeburt; andererseits sind so gut wie alle Kinder, die mit einer Geschlechtschromosomenanomalie zur Welt kommen, überlebensfähig und vergleichsweise wenig beeinträchtigt. 

Mädchen bzw. Frauen mit Turner-Syndrom haben statt zweier weiblicher Geschlechtschromosomen (XX) nur eines (X0). Zwar hat dies keine geistige Behinderung oder Beeinträchtigung des Intellekts zur Folge; Frauen mit Turner Syndrom haben aber Fehlbildungen der Geschlechtsorgane und sind daher unfruchtbar. 

Turner Syndrom Chromosomen

Buben und Männer mit einem Klinefelter-Syndrom haben neben dem Y-Chromosom zwei X-Chromosomen (XXY anstatt XY). Auch hier macht sich die Chromosomenanomalie durch Unfruchtbarkeit (z.B. Unbeweglichkeit der Spermien) bemerkbar.

Klinefelter Syndrom Chromosomen

Vorbeugung
Das Risiko für Chromosomenanomalien steigt mit deinem Alter, wobei es jeweils ab einem Alter von 31 und ab einem Alter von 37 einen markanten Risikoanstieg gibt. Bei Frauen über 40 weisen mehr als die Hälfte aller Eizellen genetische Defekte auf. Eine Möglichkeit der Vorbeugung ist daher, in möglichst jungen Jahren Kinder zu bekommen. Das ist natürlich oft leichter gesagt als getan und in vielen Lebenssituationen nicht realisierbar oder gewünscht. 

Eine weitere Möglichkeiten der Vorbeugung ist die Einnahme von Folsäure bereits mehrere Monate vor der geplanten Schwangerschaft. Folsäure begünstigt die korrekte Zellteilung und Entwicklung von Primär- und Sekundärfollikeln (mehr zum Thema: Eizellreserve) und wirkt DNA-Schäden entgegen.

Frauen, die bereits mehrere Fehlgeburten hatten, können Embryonen im Rahmen einer in-vitro-Fertilisation (IVF) genetisch untersuchen lassen. Nur jene Embryonen (wo möglich), die keinen Chromosomenfehler haben, werden dann in die Gebärmutter zurück transferiert.

Immunsystem

Zahlreiche Überreaktionen im Immunsystem können zu einer Fehlgeburt führen. Letztendlich ist der Embryo aufgrund der väterlichen DNA zur Hälfte fremd für den weiblichen Organismus, was eine besondere Herausforderung an das Immunsystem stellt.


Bei einer immunbedingten Fehlgeburt muss nicht immer eine Erkrankung des Immunsystems vorliegen. Manchmal reichen auch schon mäßig erhöhte Werte bestimmter Antikörper, z.B. der Antikörper gegen nukleäre Antigene (ANA) oder gegen zytoplasmatische Antigene (ANCA). 

Zu den vielen möglichen immunologischen Ursachen für Fehlgeburten zählen:

– Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse
– erhöhte Schilddrüsenantikörper
– weibliche Antikörper gegen das Sperma des männlichen Partners
– Dysbalance der T-Helferzellen (Th1/Th2-Imbalance)
– sogenannte Natural Killer Cells in der Gebärmutter
– Antiphospholipid-Antikörper (Lupus-Antikörper)
– Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Rheumatoide Arthritis

Im weiteren Sinne zählen auch Blutgerinnungsstörungen zu einem Fehlverhalten des Immunsystems. Sie erhalten hier jedoch aufgrund ihrer Vielfältigkeit ein eigenes Kapitel.

Möglichkeiten der Vorbeugung
Eine gute Möglichkeit der Vorbeugung ist die Pflege des Immunsystems im Darm mittels spezieller Bakterienstämme. Hast du bereits mehr als eine Fehlgeburt erlitten, lohnt sich eine umfassende immunologische Abklärung. Dafür reichen drei Röhrchen Blut. Der Befund ist zwischen fünf und 15 Seiten lang, denn Antikörper und Immunglobuline gibt es in unserem Körper jede Menge. Die Behandlung der Immunstörung beinhaltet Kortison, Aspirin, Heparine, Immunglobuline, Schilddrüsenhormone und vieles mehr. 

Gerne beraten wir dich bei Fertinesse, worauf du bei der Abklärung deines Immunsystems achten solltest! 

Störungen der Blutgerinnung

Funktioniert die Blutgerinnung nicht optimal bzw. ist das Blut zu dickflüssig, hindert das die Entwicklung des Embryos. Die Blutgefäße, mit denen der Embryo in den ersten Wochen versorgt wird, sind extrem dünn. Dickflüssiges Blut führt dazu, dass sich der Embryo nicht gut in der Gebärmutter einnisten kann oder danach mit zu wenig Blut versorgt wird und abstirbt. In einem späteren Stadium der Schwangerschaft kann es aufgrund der erhöhten Blutgerinnung zu einer Fehlfunktion der Plazenta und in weiterer Folge zu einem Spätabort kommen.

Eine der am häufigsten mit Fehlgeburten assoziierte Blutgerinnungsstörung ist das Anti-Phospholipid-Syndrom, eine Autoimmunerkrankung. Etwa 15% der Frauen, die wiederholt Fehlgeburten erleiden, tragen Antiphospholipid-Antikörper in sich.

Weitere Blutgerinnungsstörungen, die eine Fehlgeburt begünstigen können, sind:

– Faktor-V-Mutation (APC-Resistenz)
– Protein-C-Mangel
– Protein-S-Mangel
– Antithrombin-Mangel
– erhöhter Faktor-VIII-Spiegel
– Prothrombin-Mutation
– Hyperhomocysteinämie

Wichtig: Unabhängig vom erhöhten Risiko für eine Fehlgeburt haben Frauen mit einer Blutgerinnungsstörung erhöhtes Risiko für Thrombosen – insbesondere in der Schwangerschaft. Dabei bilden Blutplättchen einen Blutkoagel, der sich losreißen und Gefäße verstopfen kann. Die Blutgerinnungsstörung sollte daher in jedem Fall behandelt werden.

Auch Rauchen und starkes Übergewicht führen zu einer Erhöhung der Blutgerinnung. Raucherinnen und Frauen mit einem stark erhöhten BMI haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden.

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normale Durchblutung

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Blutplättchen kleben aneinander

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Ein Blutkoagel bildet sich

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Blutkoagel löst sich

Infektionen

Spätaborte sind meist auf Infektionen zurückzuführen. Sie sind leider bis zum Geburtstermin möglich, wenn dies zum Glück auch sehr selten ist. Zu den Verursachern zählen Bakterien (Chlamydien, B-Streptokokken), Viren (Röteln, Masern, Herpes) und tierische Einzeller (Toxoplasmen, Listerien). 

Um Infektionen vorzubeugen, kannst du einiges tun:

– Halte ein leicht saures Milieu in der Scheide aufrecht.
– Lass am besten vor der geplanten Schwangerschaft einen Vaginalabstrich durchführen.
– Kontrolliere, ob du ausreichenden Impfschutz hast!
– Vermeide Lebensmittel, die Toxoplasmen (sofern du Toxoplasmose-negativ bist) und Listerien enthalten könnten.
– Achte beim Geschlechtsverkehr auf besondere Hygiene.

Im Rahmen des Fertinesse Kinderwunsch-Coachings zeigen wir dir, wie du den ph-Wert in der Scheide messen kannst, wie du deine Scheidenflora optimierst, auf welche Nahrungsmittel im Detail du verzichten solltest und welche ärztlichen Untersuchungen vor einer geplanten Schwangerschaft ratsam sind.

Fehlbildungen der Gebärmutter 

Eine der häufigsten Fehlbildungen der Gebärmutter ist eine mittig liegende Scheidewand (Septum). Diese Scheidewand kann sehr leicht bis stark ausgeprägt sein. Teilt das Septum die Gebärmutter in zwei Hälften, spricht man vom „uterus bicornis“. Das Septum wird im Gegensatz zur restlichen Gebärmutterhöhle schlecht durchblutet, weshalb die Schleimhaut an dieser Stelle kaum aufgebaut werden kann.

Nistet sich eine befruchtete Eizelle nun genau auf dem Septum ein, wird der Embryo nicht ausreichend mit Blut versorgt und stirbt ab. Die schlechte Blutversorgung des Septums ist auch der Grund, warum diese Fehlbildung im Rahmen einer Ultraschall-Untersuchung schwer zu erkennen ist. Ob eine Behandlung notwendig ist, entscheidet dein Gynäkologe; mit einem kleinen operativen Eingriff durch die Scheide lässt sich das Septum aber in der Regel problemlos entfernen. In den meisten Fällen haben Frauen, die aufgrund eines Septums ein Baby verlieren, in der Folgeschwangerschaft mehr Glück, und der Embryo nistet sich an einer besseren Stelle in der Gebärmutter ein.

Zur Vorbeugung kannst du hier leider nicht allzu viel tun. Unser Tipp: Bestehe nach einer Fehlgeburt auf eine ausführliche Untersuchung mit einem hochauflösenden Ultraschallgerät.

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Unauffällig geformte Gebärmutter

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„Satteldach“-förmige Gebärmutter

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Uterus mit Septum

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Uterus bicornis – zweigeteilte Gebärmutter

Hormonelle Störungen

Auch hormonelle Störungen können Ursache für eine Fehlgeburt sein. Dysbalancen der Schilddrüsenhormone (siehe Immunsystem), eine Gelbkörperschwäche sowie das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) zählen zu den häufigsten Ursache für eine hormonell bedingte Fehlgeburt. Ein umfassender Hormonstatus, der auch alle Schilddrüsenhormone und -antikörper berücksichtigt, bringt schnell Klarheit, ob deine Hormone im Normalbereich liegen oder nicht. 

Wann ist das zugrunde liegende Risiko für eine Fehlgeburt erhöht?

Die Wahrscheinlichkeit, eine Fehlgeburt zu erleiden, steigt mit dem Alter der Mutter, da das Risiko für eine Chromosomenfehlverteilung steigt. Im Alter von 32 beträgt das Risiko für eine Fehlgeburt durchschnittlich 13% und steigt danach von Jahr zu Jahr markant an. Frauen mit 40 haben ein Risiko von etwa 40%, eine Fehlgeburt zu erleiden.

Wahrscheinlichkeit_Schwangerschaft_Fehlgeburt


Das Risiko für eine Fehlgeburt  nimmt auch mit der Anzahl der vorangegangenen Fehlgeburten zu. Nach drei Fehlgeburten (man spricht dann von einem habituellen Abort) beträgt das Risiko über 50%, dass die nächste Schwangerschaft wieder in einer Fehlgeburt Abort endet. Wir empfehlen eine grundlegende Abklärung schon nach der zweiten Fehlgeburt – nimm gerne mit uns Kontakt auf!


Quellen:


The ESHRE Guideline Group on RPL: ESHRE guideline: recurrent pregnancy loss. Human Reproduction Open, Volume 2018, Issue 2, 2018.

Empson MB et al: Prevention of recurrent miscarriage for women with antiphospholipid antibody or lupus anticoagulant. Cochrane Database of Systematic Reviews 2005, Issue 2.

Nybo Andersen AM et al: Maternal age and fetal loss: population based register linkage study. BMJ 2000;320:1708–12.

Tempfer CB et al: A combination treatment of prednisone, aspirin, folate, and progesterone in women with idiopathic recurrent miscarriage: a matched-pair study. Fertil Steril. 2006 Jul;86(1):145-8. Epub 2006 May 23.