Fehlgeburt: Formen, Anzeichen und Ablauf


Blutungen

Häufigstes Anzeichen einer Fehlgeburt sind Blutungen. Blutungen können zu einer Fehlgeburt führen (z.B. bei Gelbkörperhormonschwäche) oder aber das Symptom einer Fehlgeburt sein. Sie können zu Beginn sehr leicht, eventuell rosa gefärbt sein, oder aber in kürzester Zeit sehr stark werden. Da 20-30% aller Frauen während der Frühschwangerschaft Blutungen haben, bedeutet eine Blutung aber bei weitem nicht immer eine Fehlgeburt – insbesondere dann, wenn andere Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit, Kreislaufstörungen und Müdigkeit stark sind und/oder es sich um eine schwache, bräunliche Blutung handelt.

Wird die Blutung stärker und kommen Bauchkrämpfe hinzu, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Fehlgeburt im Gange ist. Solltest du schwanger sein und bluten, ruf am besten deine/n Gynäkolog/in oder deine Hebamme an oder fahr in ins Krankenhaus. Mittels einer Ultraschall- und einer Blutuntersuchung erfährst du sehr schnell, was gerade vor sich geht.

Manche Frauen bluten während der Schwangerschaft, weil sie ein Hämatom in der Gebärmutter haben. Dieser Bluterguss bildet sich aus nicht bekannten Gründen und blutet in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage oder Wochen ab. Andere Frauen bluten nach dem Geschlechtsverkehr, weil der Muttermund in der Schwangerschaft sehr stark durchblutet ist. Auch eine gynäkologische Untersuchung oder ein Vaginalabstrich können Blutungen auslösen. In seltenen Fällen bekommen Frauen auch während der Schwangerschaft eine regelmäßige Blutung ähnlich der Menstruation.


Verhaltener Abort

Eine Fehlgeburt muss sich nicht immer bemerkbar machen. Oft erfahren Frauen erst bei einer Ultraschall-Untersuchung – zumeist in den ersten zwei Monaten der Schwangerschaft – dass sich der Embryo nicht weiter entwickelt hat und/oder das Herz nicht schlägt. Man spricht in diesem Fall von einem verhaltenen Abort, auf Englisch “missed abortion”. Jede Frau, die dies bereits erleben musste, weiß, wie sich das anfühlt. 

Manchmal sind sich GynäkologInnen während der Ultraschalluntersuchung nicht sicher, ob der Embryo der Schwangerschaftswoche entspricht. Da sie nicht wissen können, wann genau der Eisprung stattgefunden hat, wird dann oft ein weiterer, kurzfristiger Termin vereinbart. Die Wartezeit bis dorthin ist für die meisten Frauen bzw. Paare eine Geduldsprobe. Gerne sind wir für dich in dieser Zeit da.

Wird bei der Folgeuntersuchung bestätigt, dass der Embryo nicht weiter wächst, kann die Fehlgeburt medikamentös eingeleitet werden, sofern die Schwangerschaft noch nicht weit fortgeschritten ist. Manche ÄrztInnen empfehlen eine Ausschabung der Gebärmutter (Curettage). Dabei kommt es immer wieder vor, dass der Gebärmuttermund stark gedehnt wird, was ein Risiko für eine weitere Fehlgeburt bedeutet.

Alternativen zur Curettage sind die medikamentöse Einleitung der Fehlgeburt oder Zuwarten, bis die Blutung von alleine einsetzt. Die medikamentöse Einleitung wird vor allem vor der 10. Schwangerschaftswoche empfohlen bzw. solange der Embryo kleiner als 15mm ist. Dabei werden dieselben Medikamente verwendet wie bei einer Abtreibung. Beim Zuwarten unter ärztlicher Aufsicht hat der Körper die Möglichkeit, im eigenen Tempo die Hormonwerte zu normalisieren. Wenn du dich dafür entscheidest, auf das Einsetzen der Blutung zu warten, ist ein regelmäßiger Kontakt mit deiner/m GynäkologIn notwendig. Bei etwa der Hälfte aller Frauen mit verhaltenem Abort, die auf die Blutung warten, kommt es zu einem kompletten Abort, der keine weitere Behandlung erfordert. Die Blutung dauert bei etwa 2/3 aller Frauen kürzer als 12 Tage.

Eine Fehlgeburt ist – unabhängig davon, wie sie vonstatten geht – psychisch und physisch massiv belastend und bedeutet auch für die Partnerschaft eine schwierige Zeit. Wir sind gerne für dich da – auch kurzfristig – wenn du Fragen hast oder einfach nur ein offenes Ohr brauchst.


Abfall des Schwangerschaftshormons beta-HCG

Sicherste Möglichkeit, eine drohende Fehlgeburt zu diagnostizieren, ist der Abfall des Schwangerschaftshormons beta-HCG, das man im Blut ganz genau messen kann. In den ersten Wochen der Schwangerschaft verdoppelt sich das beta-HCG etwa alle zwei Tage. Findet diese Verdoppelung nicht statt, ist das ein Hinweis auf eine nicht intakte Schwangerschaft. Steigt der beta-HCG-Wert nur ganz leicht, bleibt er gleich oder fällt ab, ist das ein sicheres Indiz dafür, dass sich der Embryo nicht weiterentwickelt bzw. eine Fehlgeburt unmittelbar bevorsteht. 

Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (in-vitro-Fertilisation, IVF) wird das Schwangerschaftshormon in der Regel mittels Bluttests bestimmt, der aussagekräftiger ist als gängige Urinstreifentests. Frauen, die bereits eine oder mehrere Fehlgeburten hinter sich haben, können den Bluttest zu Beginn der Schwangerschaft im Abstand von zwei Tagen machen lassen, um mehr Sicherheit zu bekommen.


Krämpfe

Die ersten starken Blutungen bei einer in Gang befindlichen Fehlgeburt gehen zumeist mit starken Krämpfen einher. Krampflösende Medikamente und Warmhalten des Unterbauches können zumindest die körperlichen Schmerzen etwas lindern. Wurde ein verhaltener Abort diagnostiziert, gibt es wie bereits erwähnt die Möglichkeit, die Fehlgeburt mit Medikamenten einzuleiten. Krämpfe, kombiniert mit Übelkeit und Durchfall, zählen dann zu den ersten Symptom sein.

Ist die Blutung sehr stark – mehr als zwei vollgeblutete dicke Binden über einen Zeitraum von zwei Stunden – solltest du sicherheitshalber ins Krankenhaus fahren. Auch, wenn die Blutung nach 10-12 Tagen nicht vorbei ist, ist ein Besuch beim Arzt empfehlenswert. In manchen Fällen bleiben Reste der Gebärmutterschleimhaut zurück (“inkompletter Abort”), die dann medikamentös oder operativ entfernt werden müssen.

Ist die Ursache der Fehlgeburt eine Gebärmutterhalsschwäche, ist der Abort anfangs meist schmerz- und wehenfrei. Diese Form tritt meist nach dem ersten Trimester, also ab der 13. Schwangerschaftswoche, auf.


Gleich wieder schwanger werden?

Während manche Frauen nach einer Fehlgeburt erst einmal Abstand gewinnen wollen, möchten andere möglichst rasch wieder schwanger werden. Aus medizinischer Sicht solltest du in jedem Fall abklären lassen, ob die Fehlgeburt komplett war – also keine Schleimhautreste in der Gebärmutter verblieben sind – und das Schwangerschaftshormon auf Null gesunken ist. 

Studien zeigen, dass die meisten Frauen, die in den ersten Monaten nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden, physisch eine ganz normale Schwangerschaft erleben. Die Angst, noch einmal eine Schwangerschaft zu verlieren und das oft fehlende Vertrauen in den Körper sind bei vielen Frauen jedoch Wegbegleiter durch die ganze Schwangerschaft.

Manche ÄrztInnen raten Frauen, mehrere Monate zu warten, bevor sie wieder schwanger werden. Die meisten klinischen Studien zeigen jedoch, dass eine Folgeschwangerschaft innerhalb der ersten sechs Monate nach der Fehlgeburt häufiger einen positiven Ausgang hat als wenn man länger zuwartet.

Etwa drei Prozent aller Frauen erleiden wiederholte Fehlgeburten. In der Medizin spricht man dann von „Abortus habitualis“ oder „habituellem Abort“. Ist das der Fall, solltest du gemeinsam mit deinem/r GynäkologIn des Vertrauens eine Reihe von Untersuchungen starten, um mögliche Ursachen zu ergründen. Gerne begleiten wir dich dabei. Im Factsheet „Fehlgeburt: Häufigste Ursachen“ sind Dysbalancen des Immunsystems und der Blutgerinnung beschrieben, welche häufig zu wiederholenden Fehlgeburten führen.

Quellen:

The American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG): Practice Bulletin Early Pregnancy Loss. Number 200. November 2018.
www.acog.org

Wilcox AJ et al. Incidence of early loss of pregnancy. N Engl J Med 1988;319:189–94.

Wieringa-de Waard M et al: The natural course of spontaneous miscarriage: analysis of signs and symptoms in 188 expectantly managed women. Br J Gen Pract. 2003 Sep; 53(494): 704–708.

Sapra KJ et al: Signs and Symptoms of Early Pregnancy Loss. A Systematic Review. Reprod Sci. 2017 Apr; 24(4): 502–513.

Kangatharan C et al: Interpregnancy interval following miscarriage and adverse pregnancy outcomes: systematic review and meta-analysis. Hum Reprod Update. 2017 Mar 1;23(2):221-231.