Eizellspende

Eine Eizellspende ermöglicht Frauen, die mit ihren eigenen Eizellen nicht mehr schwanger werden können, eine Schwangerschaft. Der häufigste Grund, warum sich Frauen bzw. Paare für eine Eizellspende entscheiden, ist die erschöpfte Eizellreserve der Frau bzw. die bereits eingetretenen Wechseljahre.

Zwar sind auch in den späteren Wechseljahren noch Eizellen in den Eierstöcken vorhanden, es findet aber, wenn überhaupt, nur noch sehr selten ein Eisprung statt, und die Eizellen sind großteils nicht mehr entwicklungsfähig.

Einen Hinweis, ob deine Eizellreserve tatsächlich erschöpft ist, geben dir die Hormone FSH und AMH. Ein hohes FSH und ein sehr niedriges AMH zeigen, dass die Eierstöcke ihre Funktion bald einstellen werden.

Die meisten Frauen möchten alle Optionen, mit den eigenen Eizellen schwanger zu werden, wahrnehmen, bevor sie sich für eine Eizellspende entscheiden. Bevor die Entscheidung für eine Eizellspende getroffen wird, versuchen Paare oft über viele Jahre und auch mit Hilfe von künstlicher Befruchtung (in-vitro-Fertilisation, IVF) schwanger zu werden.

Andere Gründe für eine Eizellspende als eine erschöpfte Eizellreserve sind:

– das Turner-Syndrom

– Erkrankungen (z.B. Krebserkrankungen), bei denen die Eierstöcke entfernt werden mussten

– Erbkrankheiten bzw. chromosomale Auffälligkeiten bei der Frau

Welche Frauen spenden Eizellen, und warum?

Grundsätzlich müssen Eizellspenderinnen körperlich und geistig gesund sein und ein gewisses Alter haben. In den meisten europäischen Ländern, die eine Eizellspende erlauben, liegen die Altersgrenzen von Spenderinnen etwa bei 20-30 Jahren. Auch eine Familienanamnese, eine psychologische Evaluterung und genetische Untersuchungen müssen Spenderinnen über sich ergehen lassen. So ist eine möglichst gute Eizellqualität gewährleistet.

Anders als bei der Samenspende sind für eine Eizellspende eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke und ein operativer Eingriff notwendig. Eine Eizellspende ist also wesentlich aufwändiger als eine Samenspende und mit Risiken behaftet. Die Eizellspende ist unter anderem deswegen in einigen Ländern, z.B. Deutschland und der Schweiz, verboten. In vielen Ländern, in denen die Eizellspende erlaubt ist, ist sie stark reguliert. Zum Beispiel, indem Kinderwunschkliniken Eizellspenderinnen nicht aktiv anwerben dürfen oder indem Spenderinnen für ihre Spende nur eine minimale Aufwandsentschädigung erhalten dürfen.

Europäische Länder, in denen die Eizellspende seit längerem erlaubt ist, sind z.B. Tschechien, Spanien und Großbritannien. Dortige Studien mit Eizellspenderinnen zeigen, dass für etwa die Hälfte der Spenderinnen die finanzielle Entschädigung ausschlaggebend für eine Spende war, wenngleich Spenderinnen in der Regel nicht mehr als EUR 900 für die Eizellspende erhalten. Ein Viertel der Spenderinnen spendet Eizellen, um einerseits anderen Frauen eine Schwangerschaft zu ermöglichen, andererseits auch, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Für das letzte Viertel der Spenderinnen spielt Geld überhaupt keine Rolle – diese Frauen spenden aus rein altruistischen Gründen.

In den USA ist die Situation anders. Frauen, die an einer Elite-Universität studieren und noch dazu einem gewissen Schönheitsideal entsprechen, können von manchen IVF-Instituten mehr als USD 50.000 für eine Eizellspende lukrieren.

Eigene Spenderin mitbringen

In manchen Ländern wie z.B. in Österreich ist es möglich, eine Verwandte oder Freundin als Eizellspenderin ins Kinderwunschinstitut mitzubringen. In Österreich kann so beispielsweise eine lange Wartezeit umgangen werden.

Bzgl. Alter und genetischer Untersuchung gelten für diese Spenderinnen allerdings die gleichen Regeln wie für alle Eizellspenderinnen laut jeweiligem Fortpflanzungsmedizingesetz. In Österreich dürfen Frauen nur bis zum 30. Geburtstag Eizellen spenden. Bist du also z.B. 40 und hast eine 34-jährige Schwester, ist eine Spende nicht erlaubt; auch dann nicht, wenn deine Schwester eine ausreichende Eizellreserve hat und sich bester Gesundheit erfreut.

Anonyme versus nicht anonyme Eizellspende

Ob Eizellspenderinnen anonym bleiben dürfen/müssen, ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

In Österreich ist etwa laut Österreichischem Fortpflanzungsmedizingesetz eine nicht anonyme Spende vorgeschrieben. Das bedeutet, dass mittels Eizellspende gezeugte Kinder ab einem Alter von 14 das Recht auf Information über ihre biologische Mutter haben. Die Daten der Spenderin werden dazu vom jeweiligen Kinderwunschinstitut 30 Jahre lang gespeichert. Da viele Paare eine nicht anonyme Spende bevorzugen und in Österreich das Werbeverbot für Eizellspenderinnen gilt (und deshalb die Nachfrage nach Eizellspenden größer ist als das Angebot), haben österreichische Kinderwunschinstitute zumeist lange Wartelisten.

Andere Länder mit nicht anonymer Spende haben Spenderegister eingeführt, in dem alle Eizellspenderinnen zentral gespeichert sind. Der Zugriff auf die Daten ist somit von den Kinderwunschkliniken unabhängig und transparenter.

In Tschechien und Spanien – jene zwei Länder mit den meisten Eizellspenden in Europa – bleiben Eizellspenderinnen anonym. Entscheidest du dich für eine Eizellspende in diesen Ländern, wird dein Kind niemals erfahren, wer seine/ihre biologische Mutter ist.

Manche Länder wie Dänemark, Portugal, Estland oder auch die USA haben keine einheitliche nationale Regelung. Sie überlassen jeder Eizellspenderin, ob sie anonym bleiben möchte oder nicht.

Unabhängig von der jeweiligen nationalen Gesetzgebung widerspricht eine anonyme Eizellspende den Menschenrechten der Vereinten Nationen, nach denen jeder Mensch ein Recht auf Information zu seiner Abstammung hat.

Daten aus Großbritannien, wo im Jahr 2005 von anonyme auf nicht anonyme Eizellspende umgestellt wurde, zeigen, dass die Zahl an Eizellspenden deshalb nicht zurückgegangen ist. Laut einer schwedischen Studie befürworten 70-90% der Eizellspenderinnen eine nicht anonyme Spende und stehen der Aussicht, später von ihren biologischen Kindern kontaktiert zu werden, positiv entgegen.

Eizellspende nicht anonym Europa

Wie groß sind die Schwangerschaftschancen bei einer Eizellspende?

Die Chancen, beim ersten Eizellspendezyklus schwanger zu werden, liegen bei den allermeisten Kliniken mit einem sehr gut funktionierenden IVF-Labor bei etwa 70%. Diese hohe Schwangerschaftsrate ergibt sich vor allem dadurch, dass die Eizellen im optimalen weiblichen Alter entnommen werden.

Die Gebärmutter von Frauen, die bereits in den Wechseljahren sind, kann eine Schwangerschaft oft genauso gut beherbergen wie in jüngeren Jahren. Wenn du bereits im Wechsel bist und eine Eizellspende erwägst, solltest du vorab deine Schilddrüse abklären lassen und deinen Körper optimal auf die Schwangerschaft vorbereiten.

Auch bzgl. Alter der Eizellspende-Empfängerin gibt es international unterschiedliche Richtlinien. In Österreich ist eine Eizellspende bis zum mütterlichen Alter von 44 (45. Geburtstag) erlaubt, in Tschechien bis zum 49. Geburtstag und in Spanien abhängig von der Klink bis zum 50. oder 52. Geburtstag.

Wie genau läuft eine Eizellspende ab?

Sowohl die Eizellspenderin als auch das Empfängerpaar durchlaufen eine Reihe von Untersuchungen, u.a. auf Infektionskrankheiten wie Hepatitis. Beim männlichen Partner wird eine Analyse der Spermien, ein sogenanntes Spermiogramm, durchgeführt. Bei der Eizellspenderin erfolgt zusätzlich eine psychische Evaluierung und eine Untersuchung auf Erbkrankheiten – u.a. auf Zystische Fibrose und das Fragile X Syndrom.

Das Empfängerpaar hat die Möglichkeit, Wünsche bzgl. Aussehen, Interessen, Ausbildung und Familie der Spenderin anzugeben. Danach erfolgt das sogenannte “Matching” – eine ideale Spenderin wird für das Paar ausgesucht. Je nach Klinik werden dem Paar dann eine oder mehrere Spenderinnen vorgeschlagen.

Nach dem erfolgreichen Matching wird in der Regel die hormonelle Stimulation bei der Spenderin gestartet, die ähnlich abläuft wie bei einer “normalen” in-vitro-Fertilisation (IVF). Sind mehrere Eizellen im Eierstock herangereift, werden sie durch die Scheide mit einer langen Nadel entnommen und mit dem Samen des männlichen Partners befruchtet. Die so gezeugten Embryonen tragen das Erbgut der biologischen Mutter – also der Spenderin – und das Erbgut des Mannes des Empfängerpaares in sich. Liegt beim Mann eine Azoospermie (keine Samen im Ejakulat) vor, kann man auf männlichen Spendersamen zurückgreifen. In letzterem Fall trägt das Kind kein Erbmaterial der späteren Eltern in sich. Die Spende fertiger Embryonen ist in den meisten europäischen Ländern nicht erlaubt.

Parallel zur hormonellen Stimulation der Eizellspenderin wird die Gebärmutter der Eizellspende-Empfängerin auf den Embryo vorbereitet. Mittels Hormonen wird die Gebärmutterschleimhaut vermehrt durchblutet und aufgebaut, sodass sich der Embryo später gut einnisten kann. Fünf Tage nach der Befruchtung wird der Embryo transferiert.

Alternativ zu diesem Vorgehen können die Eizellen der Spenderin auch vorher eingefroren werden, und die Befruchtung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. Der Schwangerschaftstest kann 8-10 Tage später durchgeführt werden.

Wie finde ich die ideale Klinik für eine Eizellspende?

Je nach deinem Alter und ob du eine anonyme oder nicht anonyme Spende anstrebst, kommen unterschiedliche Klinken und unterschiedliche Länder in Frage. Mittlerweile ist es in manchen Kliniken sogar möglich, eingefrorene Eizellen von ausländischen Eizellbanken liefern zu lassen.

Wenn du für eine Eizellspende ins Ausland reisen musst, kannst du in Erfahrung bringen, ob ein Kinderwunsch Institut in deiner Nähe die Vorbereitung und die Nachbetreuung übernehmen kann. Das spart Geld und Nerven.

Im Hinblick auf die Kosten – du solltest mit mindestens EUR 6.000 für den ersten Spendezyklus rechnen – gibt es teils große Unterschiede. In jedem Fall lohnt es sich, mehrere Angebote einzuholen. Da die Eizellspende für Kliniken sehr lukrativ ist, wird intensiv und teilweise auch aggressiv um Empfängerpaare wie auch um Eizellspenderinnen geworben. Ein regelrechter Eizellspende-Tourismus findet in Ländern wie Spanien, Tschechien, Zypern und Griechenland statt. Hier ethische und unethische Machenschaften auseinanderzuhalten, ist auch für ExpertInnen nicht immer einfach.

Eine Eizellspende ist psychisch wie physisch sowohl für das Empfängerpaar als auch für die Eizellspenderin belastend und kann ein langwieriger Prozess sein. Wenn du Begleitung für diesen Prozess suchst, bin ich gerne für dich da. Schick einfach ein mail an silvia@fertinesse.com!

Psychologische Betreuung

Idealer Weise bietet ein Kinderwunschinstitut, das Eizellspenden anbietet, eine psychologische Evaluierung und Betreuung sowohl von Eizellspenderinnen als auch Eizellspende-Empfängerpaaren an. An renommierten Kliniken werden bis zu 40% aller potenzieller Eizellspenderinnen nach der psychologischen Evaluierung nicht in das Eizellspendeprogramm aufgenommen.

Für die Eltern hat eine psychologische Betreuung auch später viele Vorteile. Gerade die Frage, ob, wann und wie man seinem Kind mitteilt, dass es eine andere biologische Mutter hat, stellt manche Paare vor eine schwierige Hürde. Studien zeigen, dass Mütter, die ihren Kindern eine Eizellspende verheimlichen, eher zu Angststörungen und Depression neigen. Je älter die Kinder werden, umso schwieriger empfinden es viele Eltern, ihre Kinder über ihre biologische Abstammung aufzuklären.

Inwieweit sich eine anonyme Spende mit einer nicht anonymen Spende anders auf die Psyche von Spenderkindern auswirkt, wird laufend untersucht. Da die Eizellspende aber eine recht junge Therapieform in der Reproduktionsmedizin ist, liegt aktuell wenig Information zu Teenagern und jungen Erwachsenen vor, die mittels Eizellspende gezeugt wurden.