Eizellreserve

Die Eizellreserve, auch Eizellvorrat genannt, ist vereinfacht gesagt die Anzahl von Eizellen in deinen Eierstöcken. Mit jedem Zyklus verlierst du einige Hundert Eizellen. Nur eine Eizelle erreicht die letzte Reifungsstufe und wird vom Eierstock beim Eisprung freigegeben. Wenn du hormonell verhütest, z.B. mit Pille oder Hormonspirale, gehen genauso viele Eizellen verloren, lediglich der Eisprung wird unterdrückt.

Sind deine Eizellen zu einem Großteil aufgebraucht, beginnen die Wechseljahre. Dann ist es kaum noch möglich, schwanger zu werden. Wann die Wechseljahre beginnen, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Im Schnitt können Frauen bis zum Alter von 41 Jahren Kinder bekommen und sind zehn Jahre später, mit 51, in der Menopause. Manche Frauen kommen aber bereits Anfang 30 in den Wechsel; man spricht dann von einer frühzeitigen Erschöpfung der Eizellreserve. Etwa 2 von 100 Frauen sind davon betroffen.

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Wenn du mehr über deine Eizellreserve herausfinden möchtest, solltest du dein anti-Müller-Hormon (AMH) bestimmen zu lassen. Es wird von den verbleibenden Eizellen in deinen Eierstöcken produziert und ist ein wichtiger Anhaltspunkt dafür, wie groß dein Eizellvorrat ist und wie lange du noch schwanger werden kannst. Wenn du vermutest, schon im Wechsel zu sein, ist das follikelstimulierende Hormon (FSH) ein wichtiger Parameter.

Wie entstehen reife Eizellen im weiblichen Körper?

Jedes Mädchen kommt mit einer bestimmten Anzahl von Eizellen auf die Welt. Es handelt sich dabei nicht um reife Eizellen, sondern um Vorstufen davon. Sie werden Primordialfollikel oder Ursprungsfollikel genannt. Unter „Follikel“ versteht man das Konstrukt von Eizelle und die Hülle, die sie umgibt.  

Im Mutterleib heranwachsende weibliche Babys haben im 6.-7. Schwangerschaftsmonat 7 bis 8 Millionen Primordialfollikel in ihren Eierstöcken. Zum Zeitpunkt der Geburt ist davon schon ein Großteil zugrunde gegangen, und die Anzahl der Eizellen ist auf etwa eine Million reduziert. Und der Verfall der Follikel geht weiter: Beim Einsetzen der ersten Menstruationsblutung sind von den ursprünglich 7-8 Millionen Eizellen nur noch 500.000 bis 600.000 Eizellen übrig.

Ab dem Beginn der Pubertät bewirken die Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon), dass in jedem Zyklus Follikel heranreifen. Es wird zwar meistens nur eine Eizelle reif, in den Reifungsprozess schicken deine Eierstöcke aber eine große Auswahl an Primordialfollikeln hinein. Wie viele und welche Follikel „rekrutiert“ werden, bestimmt ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hormone und Substanzen. Etwa drei Monate dauert es vom Moment, in dem dein Eierstock Hunderte Eizellen für das Heranreifen ins Rennen schickt, bis eine einzige Eizelle beim Eisprung vom Eierstock freigegeben wird.

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Bis zum Eisprung durchläuft ein Primordialfollikel also verschiedene Stadien, die je nach Entwicklungsstadium Primärfollikel, Sekundär- oder Tertiärfollikel genannt werden. In jeder Entwicklungsstufe bleibt von den ursprünglich Hunderten rekrutierten Eizellen) eine gewisse Anzahl von Follikeln stehen, reifen also nicht weiter. Studien zeigen, dass in seltenen Fällen sogar bis zu 1.000 Eizellen pro Zyklus in den Reifungsprozess geschickt und dann in der Entwicklung gestoppt werden.

Die Entwicklungsstadien der Follikel im Überblick


Primordialfollikel

Die Gesamtheit der Primordialfollikel zu einem bestimmten Zeitpunkt stellt die Eizellreserve dar. Die Primordialfollikel werden bereits vor der Geburt angelegt. Sie bestehen aus der Eizelle (Oozyt) und einer einschichtigen Hülle. Bis zum Eisprung braucht ein Primordialfollikel etwa drei Monate, um sich in eine reife Eizelle zu verwandeln. Zur optimalen Reifung benötigt dein Körper Folsäure. Planst du eine Schwangerschaft, solltest du daher schon einige Monate vorab mit der Einnahme von Folsäure beginnen.

Primärfollikel

Ab der Pubertät bewirkt das follikelstimulierende Hormon (FSH), dass sich Primordialfollikel zu Primärfollikeln weiterentwickeln. Primärfollikel haben bereits Granulosazellen und produzieren das anti-Müller-Hormon (AMH). Sie sind etwa 0,1 mm groß.

Sekundärfollikel

Sekundärfollikel erreichen eine Größe von etwa 0,2 mm. Sie haben bereits größere Eizellen in ihrem Kern, die nun nicht mehr weiter wachsen. Die Eizellen sind von einer Proteinhülle (Zona pellucida) und einer mehrschichtigen Follikelhaut (Theca interna) umgeben. Auch diese Follikel produzieren AMH. Nach dem Sekundärstadium bezeichnet man die Follikel auch als antrale Follikel, weil sie nun im Inneren einen Hohlkörper besitzen (das Antrum). Der sogenannte antral follicle count – die Anzahl antraler Follikel, die im Ultraschall erkennbar ist –  ist nach dem anti-Müller-Hormon der zweitbeste Parameter zur Bestimmung der Eizellreserve.

Entwicklung Eizellen

Tertiärfollikel/Antrale Follikel

Tertiärfollikel oder antrale Follikel bestehen aus einer mit Flüssigkeit gefüllten Höhle und haben außen mehr Gewebe als Sekundärfollikel. Sie sind etwa 5-10 mm groß und mittels Ultraschall gut sichtbar. Sie beherbergen mehr Granulosazellen und produzieren daher auch mehr AMH als ihre Vorgänger. Studien zeigen, dass Follikel mit 5-8mm 60% des im Blut zirkulierenden AMH ausmachen.
Antrale Follikel gelten in der Reproduktionsmedizin als wichtiger Erfolgsfaktor für eine in-vitro-Fertilisation. Je mehr antrale Follikel in den Tagen vor der geplanten Eierstockpunktion im Ultraschall sichtbar sind, umso größer ist die Schwangerschaftsrate.

Graaf‘sche-Follikel

Kurz vor dem Eisprung ist das Endstadium der Follikelreife mit dem sogenannten Graaf’schen Follikel erlangt. Die Flüssigkeit im Inneren und die Zellen in der Außenschicht haben sich so vermehrt, daß der Follikel eine Größe von 15-25 mm hat. Nur ein minimaler Anteil der im Körper ursprünglich vorhandenen Primordialfollikel erlangt dieses Reifestadium.

Im Anschluss an den Eisprung bilden sich aus den Granulosa- und Thecazellen der Gelbkörper, der Progesteron bildet. Progesteron verhindert, dass die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abgebaut wird, sodass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Wird die Eizelle nicht befruchtet, baut sich der Gelbkörper ab, es wird kein Progesteron mehr produziert, und die Regelblutung setzt ein. 

Entwicklung der Eizellreserve bis zur Menopause

Ab der Pubertät bewirkt das kontinuierliche Übertreten der unreifen Follikel in weitere Reifephasen, dass sich die Eizellreserve im Lauf der Jahre entleert. Im Schnitt mit 36 Jahren – von Frau zu Frau kann es hier starke Schwankungen geben – ist eine kritische Zahl von etwa 25.000 verbleibenden Follikeln erreicht; von den ursprünglichen Eizellen sind nur noch 90% vorhanden. Als Reaktion darauf steigt die Rate der Primordialfollikel, die in den Reifungsprozess übergehen, kurzzeitig an, fällt daraufhin aber rapide ab – die Wechseljahre beginnen. Bis zum Eintreten der Menopause mit durchschnittlich 51 Jahren ist die Anzahl an Primordialfollikeln auf etwa 1.000 geschrumpft.

Das AMH fällt parallel mit den aufgebrauchten Eizellen, während das FSH steigt. Während das AMH besser dazu geeignet ist, die Eizellreserve zu bestimmen und zu prognostizieren, gibt das FSH besser Information zum Fortschritt der Wechseljahre und der Menopause.

Etwa 2-3% aller Frauen haben eine frühzeitig eingeschränkte Eizellreserve – die Eierstöcke stellen noch vor dem Alter von 40 die Funktion ein. Studien zeigen jedoch, dass Frauen unter 35 mit einer bereits eingeschränkten Eizellreserve keine niedrigeren Schwangerschaftschancen haben.



Quellen:

Broer SL et al: Anti-Mü llerian hormone: ovarian reserve testing and its potential clinical implications. Hum Reprod Update. 2014 Sep-Oct;20(5):688-701. 

Broekmans FJ, Soules MR, Fauser BC: Ovarian aging: mechanisms and clinical consequences. Endocr Rev. 2009 Aug;30(5):465-93.

Tiegs AW et al: Comparison of pregnancy outcomes following intrauterine insemination in young women with decreased versus normal ovarian reserve. Fertil Steril. 2020 Apr;113(4):788-796.e4.