Eisprung (Ovulation)

Unter dem Eisprung versteht man den Moment, in dem der Eierstock eine möglichst vollständig ausgereifte Eizelle freigibt. Die etwa 1mm große Eizelle – übrigens die größte menschliche Zelle überhaupt – springt aus dem 20-25mm großen Follikel, in dem sie über einige Monate gereift ist. Sie wird von den Trichtern der Eileiter aufgefangen und ist jetzt 12-24 Stunden befruchtungsfähig.

Die fruchtbaren Tage – also die Tage, in denen du schwanger werden kannst – beginnen fünf Tage vor dem Eisprung und enden 12-24 Stunden nach dem Eisprung. Samenzellen sind nämlich maximal fünf Tage überlebensfähig. Unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr können Samenzellen die reife Eizelle in ein- bis eineinhalb Stunden erreichen.

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Wann findet der Eisprung statt?

Der Eisprung findet etwa in der Mitte deines Zyklus statt. Dein Zyklus ist in zwei Phasen geteilt: die follikelstimulierende Phase und die Gelbkörperphase. Während der follikelstimulierenden Phase sorgt das Hormon FSH dafür, dass mehrere Eizellen in deinen Eierstöcken heranreifen. Das Hormon Östrogen sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut wächst und so auf die mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet ist.

Zyklusphasen Eisprung

In der Regel erreicht nur eine Eizelle das letzte Reifestadium – man nennt die Eizelle nun “dominanter Follikel” oder “Graaf’scher Follikel”. Sie wird am Ende der follikelstimulierenden Phase vom Eierstock freigegeben. Manchmal sind es auch zwei reife Eizellen; dann besteht die Möglichkeit für zweieiige Zwillinge.

Wie lange die follikelstimulierende Phase dauert, ist bei jeder Frau unterschiedlich. Ein kürzlich erschienene Studie mit den Daten einer Fruchtbarkeits-App zeigte, dass der Eisprung bei vielen Frauen nicht wie angenommen am 13.-15. Zyklustag stattfindet:

– Bei Frauen mit einer kürzeren Zykluslänge von 21 bis 24 Tagen dauerte es rund 12,4 Tage bis zum Eisprung.

– Bei Frauen mit einer typischen Zykluslänge von 25 bis 30 Tagen dauerte es rund 15,2 Tage bis zum Eisprung.

– Bei Frauen mit einer längeren Zykluslänge von 31 bis 35 Tagen dauerte es rund 19,5 Tage bis zum Eisprung.

Wie weiß ich, ob in meinem Zyklus ein Eisprung stattgefunden hat? 

Leider gibt es nur eine einzige Möglichkeit, sicher zu wissen, dass du einen Eisprung hattest: das Sichtbarmachen des Eisprungs mit Ultraschall. Da es aber unmöglich ist, den Eisprung auf die Sekunde vorherzusagen, ist es außer in Forschungssettings auch unmöglich, einen Eisprung sicher zu bestätigen.

Ovulationstests sind ein recht sicherer Parameter dafür, ob und wann ein Eisprung stattfindet. Der Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH), der beim Eisprungtest gemessen wird, ist zwar recht verlässlich, kann den Eisprung aber weder zu 100 Prozent bestätigen noch ausschließen.

Manche Frauen nehmen den Eisprung in Form eines ziehenden Schmerzes wahr, der ein bis zwei Tage oder auch nur ein bis zwei Stunden dauern kann. Auch ein glasiger, spinnbarer Ausfluss in der Mitte des Zyklus deutet auf einen Eisprung hin.

Zu guter letzt bleibt die Frage, ob die Eizelle – sofern einen Eisprung stattgefunden hat – auch tatsächlich reif war und somit das Potenzial hat, sich zu einem Embryo weiter zu entwickeln. Diese Frage lässt sich leider nicht beantworten; sicher ist nur, dass zum einen mit steigendem Alter ein Eisprung immer seltener stattfindet und dass zum anderen immer weniger Eizellen befruchtungsfähig sind. Studien zeigen, dass bei Frauen im Alter von 40-42 Jahren nur noch die Hälfte aller Eizellen entwicklungsfähig sind und dass in 30-40% aller “normalen” Zyklen gar kein Eisprung stattfindet.

Wie lange dauert das Heranreifen einer Eizelle?

Im Gegensatz zu Samenzellen, die laufend im Hoden neu gebildet werden, kommen Mädchen mit all ihren zur Verfügung stehenden Eizellen auf die Welt. Eizellen werden also nicht laufend neu gebildet.

Zum Zeitpunkt der ersten Menstruation sind etwa 400.000 Eizellen in den Eierstöcken gespeichert – man spricht vom Eizellvorrat oder der Eizellreserve -, wobei diese Zahl individuell stark variiert. Die gespeicherten Eizellen befinden im Stadium der Primordialfollikel, der frühesten Entwicklungsstufe. Primordialfollikel sind im Gegensatz zu reifen Follikeln nur 0,03mm groß, die darin enthaltenen Eizellen sind nicht befruchtungsfähig.

Aus dem Eizellvorrat in den Eierstöcken werden laufen Gruppen von Eizellen zum weiteren Wachstum ausgewählt. Sie durchlaufen über einen Zeitraum von etwa drei Monaten folgende Entwicklungsphasen:

– Primärfollikel

– Sekundärfollikel

– antraler Follikel

– reifer Follikel

In der ersten Zyklusphase, der follikelstimulierenden Phase, wird von mehreren bis dahin etwa 6-8mm großen antralen Follikeln ein dominanter Follikel ausgewählt. Dieser reift bis zum Eisprung weiter. Wie die Auswahl dieses Follikels funktioniert, ist nicht genau erforscht.

Alle Follikel, die in einem früheren Entwicklungsstadium stehen bleiben, sterben ab. Man geht davon aus, dass in jedem Zyklus mehrere Hundert, bei manchen Frauen auch mehrere Tausend, Eizellen zugrunde gehen. Von den ursprünglich bei deiner Geburt vorhandenen Hunderttausenden Eizellen sind bis zur Menopause nur noch etwa 1.000 übrig.
Wenn du nie hormonell verhütest und nie schwanger bist, hast du im Lauf deines Lebens etwa 400 Mal einen Eisprung. Eine Ausnahme stellen Frauen mit dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) dar, bei dem es seltener zu einem Eisprung kommt.

Was passiert mit dem Eisprung und dem Eizellvorrat in meinen Eierstöcken während einer Schwangerschaft?

Sobald du schwanger bist, reduziert sich die Aktivität des Eizellwachstums in den Eierstöcken auf ein Minimum. Es findet kein Eisprung mehr statt, und es gehen wesentlich weniger Eizellen zugrunde. Der Eizellvorrat wird langsamer aufgebraucht. Ähnliches verhält es sich, wenn du dein Baby stillst. Einige Studien konnten sogar zeigen, dass Frauen, die mehrere Kinder gebären und zumindest ein halbes Jahr nach der Geburt stillen, später in die Menopause kommen.

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Was passiert mit dem Eisprung, wenn ich hormonell verhüte?

Wenn du die Pille nimmst oder mit Hormonspirale, Hormonstäbchen oder Hormonspritze verhütest, findet kein Eisprung statt. Dennoch erfolgt eine Heranreifung mehrerer Eizellen in deinen Eierstöcken. Du kannst mit hormoneller Verhütung also leider keine Eizellen einsparen.

Hormonelle Verhütung greift in das hormonelle Zusammenspiel des Zyklus ein und verhindert so nicht nur den Eisprung, sondern beeinflusst auch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und Schleimpfropf am Gebärmutterhals, sodass eine Schwangerschaft bei korrekter Anwendung nicht möglich ist.

Das anti-Müller-Hormon (AMH) ist während der Verwendung von hormonellen Verhütungsmitteln um etwa ein Drittel reduziert. Wenn du hormonell verhütest und wissen möchtest, wie groß dein Eizellvorrat in den Eierstöcken ist, muss dies bei der Interpretation des anti-Müller-Hormons berücksichtigt werden.

Zeigt die Regelblutung, dass ein Eisprung stattgefunden hat?

Eine regelmäßige Regelblutung ist ein Hinweis darauf, dass der Eierstock seine Funktion noch erfüllt, beweist aber nicht, dass tatsächlich ein Eisprung stattfindet. Die Menstruation erfolgt auch ohne vorausgegangenen Eisprung, solange du noch nicht in der Menopause bist.

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Quellen:

Prior JC et al: Ovulation Prevalence in Women with Spontaneous Normal-Length Menstrual Cycles – A Population-Based Cohort from HUNT3, Norway. PLoS One. 2015; 10(8): e0134473.

Baerwald AR, Gree PA, Pierson RA: Ovarian antral folliculogenesis during the human menstrual cycle: a review. Human Reproduction Update. 2012 Jan-Feb;18(1):73-91.
 
Kaczmarek M: The timing of natural menopause in Poland and associated factors. Maturitas. 2007 Jun 20;57(2):139-53. Epub 2007 Feb 20.

Bull JR et al: Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600,000 menstrual cycles. npj Digit. Med. 2, 83 (2019). 

Shadyab AH: Maternal Age at Childbirth and Parity as Predictors of Longevity Among Women in the United States: The Women’s Health Initiative.
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