Anti-Müller-Hormon (AMH)

Das anti-Müller-Hormon, kurz AMH, wird von den Eizellen in deinen Eierstöcken gebildet. Der AMH Wert ist der beste Hormonmarker zu Bestimmung deiner Eizellreserve. Von der Eizellreserve und von deinem Alter hängt ab, wie lange du schwanger werden kannst bzw. wann die Wechseljahre beginnen.

In jedem deiner beiden Eierstöcke befinden sich viele Tausende Eizellen in unterschiedlichen Reifestadien. Sobald diese Eizellen 1-5 mm groß sind – man spricht von Sekundärfollikeln -, beginnen sie das anti-Müller-Hormon zu produzieren. Genauer gesagt, passiert das in den Granulosazellen, welche die Eizelle umgeben. 

 

Entwicklung Eizellen AMH Wert

Abb.: Die Granulosazellen reifender Eizellen produzieren das AMH.

Je mehr Eizellen in deinen Eierstöcken, umso größer dein AMH Wert und umso größer dein Eizellvorrat. Umso weniger Eizellen in deinen Eierstöcken, umso kleiner dein AMH Wert und umso näher rücken die Wechseljahre.

Was beeinflusst deinen AMH Wert?

Bei der Interpretation des AMH-Wertes ist es wichtig, das verwendete Testverfahren, die Messgröße, dein Alter und deinen Lebensstil zu berücksichtigen. Rauchen und ein erhöhter Body-Mass-Index führen z.B. oft dazu, dass das AMH erniedrigt ist. Auch die Einnahme der Pille oder die Verwendung anderer hormoneller Verhütungsmittel verändern deinen AMH-Spiegel. 

Es gibt auch noch andere Marker zur Bestimmung der Eizellreserve: das Follikel-stimulierende Hormon (FSH), die Zahl der sichtbaren Follikel im Ultraschall (antraler Follikel-count; AFC) und das Hormon Inhibin-B. Keiner dieser Marker ist jedoch so zuverlässig für die Interpretation der Eizellreserve wie das AMH, wie zahlreiche Studien zeigen. So schwanken FSH-Werte z.B. so stark, dass das FSH mindestens drei Mal gemessen werden müsste, um eine Einschätzung machen zu können. 

Mihilfe des anti-Müller-Hormons lässt sich also gut abschätzen, wie lange Frauen noch fruchtbar sind. Mit einer gewissen Spannbreite lässt sich anhand des AMH sogar der Eintritt der Menopause (definiert als ein Jahr ausgebliebener Menstruationsblutungen) vorhersagen. Und auch im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (in-vitro-Fertilisation, IVF) ist das anti-Müller-Hormon dienlich: Mithilfe des AMH-Werts lässt sich in etwa die Anzahl der Eizellen vorhersagen, die sich durch die hormonelle Stimulation des Eierstocks gewinnen lassen.

Ein niedriger AMH-Spiegel bedeutet aber nicht automatisch, dass es zum jetzigen Zeitpunkt schwieriger ist, schwanger zu werden. Gerade junge Frauen mit erniedrigtem AMH-Spiegel werden oft schnell schwanger. Je älter Frauen mit einer eingeschränkten Eizellreserve sind, umso schwieriger wird es, schwanger zu werden. Grund dafür ist vor allem, dass Eizellen mit zunehmendem Alter öfter genetische Defekte aufweisen oder gar kein Eisprung stattfindet. 

Was bedeutet ein niedriger AMH Wert?

Je nach Definition, die auch vom verwendeten Test abhängig ist, spricht man entweder ab einem AMH-Wert unter 0,7 ng/ml oder ab einem Wert unter 0,5 ng/ml von einer eingeschränkten Eizellreserve. Von einer erschöpften Eizellreserve spricht man bei einem Wert unter 0,1 ng/ml. Ein sehr niedriger AMH-Wert bedeutet nicht, dass eine Schwangerschaft nicht mehr möglich ist.
Wichtig: der AMH-Wert muss je nach Testverfahren, das verwendet wurde, sowie abhängig von deinem Alter interpretiert werden. Ein AMH-Wert von 1,2 ng/ml bedeutet für eine 28-Jährige etwas anderes als für eine 40-Jährige. Wenn du hormonell verhütest, ist dein AMH-Wert dadurch vermindert – auch das muss bei der Interpretation deines Ergebnisses berücksichtigt werden.

Was bedeutet ein hoher AMH Wert?

Ein hoher AMH-Wert bedeutet entweder, dass du einen großen Eizellvorrat hast oder dass ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) vorliegt. Auch hier muss man den AMH-Wert unbedingt in Kombination mit dem Alter interpretieren. Ein Wert von 4,2 ng/ml ist beispielsweise für eine Frau Mitte 20 normal, für eine Frau Ende 30 nicht. Exzessiv hohe AMH-Werte gehen so gut wie immer mit einem PCOS einher.

Einfrieren von Eizellen

Das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen, auch „social freezing“ genannt, etabliert sich in einer wachsenden Zahl von Ländern als eine Methode zum Erhalt der Fruchtbarkeit. Ob die Eizellreserve noch ausreicht, um im Rahmen einer Hormonstimulation genügend Eizellen für das social freezing gewinnen zu können, lässt sich mit dem anti-Müller-Hormon gut bestimmen. 

Quellen:

Dewailly D et al:
The physiology and clinical utility of anti-Mullerian hormone in women. Hum Reprod Update. 2014 May-Jun;20(3):370-85. 

Broer SL et al: Anti-Müllerian hormone: ovarian reserve testing and its potential clinical implications.
Hum Reprod Update. 2014 Sep-Oct;20(5):688-701. 

Dólleman M et al: Reproductive and lifestyle determinants of anti-Müllerian hormone in a large population-based study. J Clin Endocrinol Metab. 2013 May;98(5):2106-15.